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Wirtschaft

Foto: Baselworld

Treffpunkt der Branche behauptet sich

Die Baselworld 2016 schloss am 24. März mit einer positiven Bilanz ihre Tore.

Trotz der ökonomischen Herausforderungen konnte die Messe ihre Position als wichtigste Plattform für die globale Uhren- und Schmuckindustrie verteidigen.


Die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga, welche in diesem Jahr die ­Baselworld er­öffnete, brachte die wirtschaftliche Bedeutung der Messe auf den Punkt: „Die Baselworld ist die größte Uhren- und Schmuck­messe der Welt und das wichtigste Schaufenster der Schweizer Uhrenindustrie. Die Schweizer Uhr ist nicht nur von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung, sondern auch der Botschafter Schweizer Identität, steht sie doch für Qualität, Verlässlichkeit und Genauigkeit.“

Apropos: Die diesjährige Baselworld präsentierte sich so stark wie eh und je. 1500 Aussteller – darunter auch 304 eidgenössische Uhrenmarken – zeigten ihre Neuheiten. Alle wichtigen Marken waren vertreten. Das gesamte Spektrum der Branche – Uhren, Schmuck, Diamanten, Edelsteine und Perlen sowie Maschinen und Zubehör – fand sich hier ein. Mit 145 000 Besuchern (-3 Prozent gegenüber 2015) aus 100 Ländern und 4400 Jour­nalisten (+2,3 Prozent/2015) aus 70 Ländern konnte die Leitmesse ihren Ruf verteidigen, zentraler Anziehungs­punkt und Impulsgeber der Branche zu sein. 11 000 Journalisten aus aller Welt verfolgten allein den Livestream der Eröffnungspressekonferenz. Ein großer Erfolg – und das, wo die Luxusgüterindustrie momentan an mehreren Fronten zu kämpfen hat. Starker Franken, Einbruch der Verkäufe in Fernost, Flüchtlingskrise, Terrorangst und die Konkurrenz durch Smart­watches: Die Baselworld 2016 hat gezeigt, mit welchen Strategien die Schweizer Uhrenindus­trie, aber auch die internationalen Luxusmarken auf die aktuellen Herausforderungen reagieren.

Nur leichte Rückgänge in schwierigen zeiten

Die Halle 1 mit den führenden Uhrenmarken stand wie immer im Mittelpunkt des Interesses. Hier waren alle großen Player vor Ort. Lücken zeigten sich hingegen in der Schmuck­halle 2, wo einige Aussteller aus dem vergangenen Jahr fehlten. In der Halle 4 waren deutlich weniger chinesische Firmen zu sehen.

Insgesamt waren in diesem Jahr einige kleine Firmen in Basel nicht vertreten – was auch zu einem gefühlt geringeren Betrieb in den Hallen geführt haben mag. Doch die diesjährige Baselworld zeigte wieder ein buntes, lebendiges und vielfältiges Bild an Anbietern und deckte so die gesamte Bandbreite des Marktes ab. Einkäufer aus aller Welt fanden hier alles, um ihr Geschäft fit für 2016 zu machen.

Der Rückgang bei den Besuchern fiel angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr moderat aus, schließlich waren die Zahlen der Schweizer Uhrenindustrie zuletzt alles andere als positiv: Nach einem leichten Rückgang in 2015 brachen im Januar die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie gegenüber dem Vorjahresmonat um acht Prozent wertmäßig beziehungsweise knapp 14 Prozent mengenmäßig ein. Auch der Februar verzeichnete bei den Ausfuhren ein Minus von wertmäßig 3,3 Prozent – der achte Monat mit sinkenden Umsätzen in Folge. Vor allem das Chinageschäft, insbesondere über Hongkong, schwächelt nunmehr seit über einem Jahr. Trotzdem grassierte auf der Baselworld kein Pessimismus. Die großen Marken gaben sich selbstbewusst. Auf den ersten Blick war in den Hallen auch alles so wie immer. Prächtige Standbauten kündeten von der wirtschaftlichen Potenz der vertretenen Marken. Allerdings waren die präsentierten Neuheiten von einem Trend zur Bescheidenheit geprägt – eine Reaktion auf die Entwicklung. Mit den Antikorruptionsjägern im Nacken und angesichts der mageren Konjunktur suchen zum Beispiel zahlreiche Chinesen mittlerweile das diskrete Understatement. Auch auf den anderen Märkten, insbesondere in Russland aufgrund der Rubel-Schwäche, sitzt das Geld nicht mehr so locker. Zahlreiche Nobel-Labels haben daher ihre Palette um preiswertere Modelle zu Abverkaufspreisen im vierstelligen Bereich ergänzt. Unter 10 000 Euro bekommt man schon von führenden Marken Manufakturqualität – vor einem Jahr noch undenkbar. Im Schmuckbereich lässt sich eine analoge Entwicklung zu filigraneren Designs in moderaten Preislagen beobachten.

Antworten auf Herausforderungen

Die Branche schaut optimistisch in die Zukunft, kann sie doch ihren Kunden glaubwürdige Antworten auf die Fragen der Zeit geben. René Kamm, CEO der MCH Group, sagte: „Die Baselworld festigt ihre Spitzen­position Jahr für Jahr.“ Er erwähnte auch die global und damit ebenfalls für die Branche schwierige wirtschaftliche Situation, unterstrich aber sein Vertrauen in die Industrie: „Wo die Leidenschaft ­regiert, wird der Wille, Herausfor­derungen zu meistern, immer zum Erfolg führen. Die Uhren- und Schmuckindus­trie hat diese Leidenschaft.“

Sylvie Ritter, Managing Director der Baselworld, fügte an: „Die Uhren- und Schmuckbranche besitzt genug Potenzial, um sich zu behaupten, auf neue Situationen zu reagieren und sich diesen anzupassen.“ Immerhin habe die Branche ein Niveau erreicht, das vor zehn Jahren niemand vorherzusagen gewagt hätte. Sylvie Ritter sprach zudem über die Verunsicherung, besonders jene von kleinen und mittleren Unternehmen, die der rückläufigen Nachfrage mittelfristig möglicherweise nicht mehr standhalten könnten. Auch Analysten rechnen in den nächsten Jahren mit einer Konsolidierung der Branche, nicht alle Hersteller werden ihre Unabhängigkeit bewahren können.

In der Uhrenhalle 1 glänzten die großen Marken wieder mit aufregenden Neuheiten

Konsolidierung auf extrem hohem Niveau

Dessen ungeachtet meinte der neue Präsident des Aussteller-Komitees der Baselworld, Eric Bertrand: „Ich habe meine gesamte berufliche Laufbahn in dieser Branche verbracht und war immer wieder erstaunt – nicht nur von ihrer Kreativität und Innovationskraft, sondern auch von ihrer Fähigkeit, auf schwierige Situ­ationen zu reagieren und gestärkt aus allen Krisen hervorzugehen.“ François Thiébaud, Präsident des Schweizer Aussteller-Komitees, bestätigte: „Mit einem Minus von 3,3 Prozent bei den Ausfuhren im Jahr 2015 hat die Branche besser abgeschnitten als alle anderen Industrien der Schweiz.“ Dies sei ein Beweis für die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfindungsreichtum der Uhrenbranche.




Insgesamt bewegt man sich mit Ausfuhren im Wert von 21,5 Milliarden Schweizer Franken (2015) auf sehr hohem Niveau. Es ist das drittbeste Jahr in der Geschichte der Schweizer Uhrenindustrie, allein seit 2010 ist der Sektor um über 60 Prozent gewachsen. Thiébaud prog­nostizierte eine Trendwende schon für den April, denn die Verkäufe wurden zuletzt vor allem aus Lagerbeständen bestritten. Der CEO der Swatch Group, Nick Hayek, rechnet für seinen Konzern im laufenden Jahr mit einer Umsatzsteigerung von fünf bis zehn Prozent. Kurzum: Nach dem positiven Geschehen auf der diesjährigen Messe rechnet niemand mehr mit einer Krise.

Einzelhändler teilen Optimismus

Das Resümee der Verantwortlichen und führenden Aussteller der Baselworld ist positiv. Und ob die Rechnung der Hersteller und ­Konzernköpfe aufgeht, wird sich in den folgenden Monaten zeigen, wenn die in Basel präsentierten Innovationen in die Schaufenster der Me­tropolen rund um den Globus gelangen. Jean-Claude Biver, Präsident der LVMH Watch Division und CEO von Tag Heuer, sagte aber auch: „Trotz der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Spannungen in der Welt bin ich für 2016 ganz zuversichtlich, wenn ich unsere Ergebnisse während der Baselworld 2016 berücksichtige. Die allgemeine Atmosphäre auf der Baselworld hat uns gezeigt, dass viele unserer Einzelhändler diesen Optimismus hinsichtlich unserer Marken teilen.“

Deutsche Aussteller, insbesondere die ­Uhrenmarken, die vom schwachen Euro pro­fitierten, waren mit ihren Messeergebnissen ebenfalls zufrieden bis sehr zufrieden. Einige Schmuckfirmen sahen Verbesserungspotenzial lediglich in den Strukturen, insbesondere in der Halle 2.

Positiver Spirit für die Zukunft

Fazit: Die Baselworld ist und bleibt die unverzichtbare Plattform, auf der die Akteure mit Werkstoffen, Technologien und Werten, die den Zeitgeist widerspiegeln, allen Herausforderungen Paroli bieten können. Sie ist der Schlüssel zum Erfolg auf den inter­na­tionalen Märkten – nicht nur für die großen Marken, sondern gerade auch für die kleinen und mittleren Akteure, die nur hier die Chance haben, auf kaufkräftige Klienten aus aller Welt zu treffen. Daher haben die meisten Aussteller schon jetzt ihre Teilnahme an der kommenden Baselworld vom 23. März bis zum 30. März 2017 zugesagt. Kein Wunder daher, dass Sylvie Ritter abschließend herausstellte: „Die acht Tage der Baselworld haben einen Optimismus entfacht, der die Branche entschlossen und mit positivem Spirit in die Zukunft gehen lässt.“

Text: Axel Henselder

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