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Sprengstoff Online-Handel

Nomos Glashütte

Der Streit um den Vertrieb von Nomos Glashütte geht in die nächste Runde. Der Uhrenhersteller verbietet einem Unternehmensberater per Unterlassungserklärung, ­Konzessionäre zur Kündigung aufzufordern – und der gibt nach. Dieser Sieg geht also an Nomos. Doch im Krieg kann es nur Verlierer geben. – ein GZ-Kommentar

Alle reden übereinander. Aber offensichtlich redet niemand miteinander. Dieser Eindruck entsteht angesichts des Streits, der seit September um den Vertrieb von Nomos Glashütte geführt wird. Er beginnt mit der Erklärung von Nomos Glashütte, künftig offiziell mit den Online-Plattformen Chronext und Chrono24 zusammenzuarbeiten.

Rein formal hat eine Firma das gute Recht, neue Geschäftsbeziehungen einzugehen, ohne dies mit anderen Kunden abzustimmen. Bei Juwelier Wempe ist man darüber allerdings erbost. Immerhin schreibt sich der große deutsche Juwelier nicht zu Unrecht auf die Fahnen, zum Erfolg der Uhrenfirma wesentlich bei­getragen zu haben – war die Aufnahme ins Sor­timent von Wempe für Nomos vor mehr als 15 Jahren doch so etwas wie ein Ritterschlag.

Den Schritt von Nomos ins Netz wollen die Hamburger aber nicht akzeptieren und kündigen Nomos die Zusammenarbeit auf. Daraufhin hat der Ex-Partner nichts Besseres zu tun, als mit dieser Information an die Öffentlichkeit zu gehen. Man wundert sich laut über die Wempe-Entscheidung, die man mit etwas mehr Feingefühl wahrscheinlich hätte vorhersehen können.

Auch andere Nomos-Juweliere sind wenig erfreut über die neuen Online-Aktivitäten der Marke. Unter ihnen wird die Stimmung von Unternehmensberater Ralf Scharenberg aus Münster angeheizt. Er ruft zu einer Petition auf: Juweliere sollen von Nomos die Beendigung der Zusammenarbeit mit Chronext und Chrono24 fordern und andernfalls ihre Konzession zurückgeben. Das tue er, um „Schaden von Nomos, der Branche und dem Fachhandel zu nehmen“, formuliert Scharenberg in einem Schreiben an die Juweliere.

Doch mit dieser Haltung ist nun Schluss: Nomos-Glashütte fordert den Unternehmensberater Ende November zur Abgabe einer Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung auf. Die angedrohten Folgen scheinen gravierend – Scharenberg jedenfalls gibt klein bei und leistet die verlangte Erklärung: Er widerruft seine Aufforderung, die Nomos-Konzession zurückzugeben, und unterrichtet davon einen größeren Personenkreis.

Das juristische Vorgehen von Nomos ­Glashütte gegen Scharenberg zeigt einmal mehr, dass die Marke – bei aller Lässigkeit im öffentlichen Auftritt – geschäftlich überaus ent­schieden agiert. Aber: Letztlich kennt diese Geschichte nur Verlierer und lässt keinen der Beteiligten gut aussehen. Und sie zeigt, wie viel Sprengstoff der Versuch birgt, eine neue Balance zwischen stationärem und Online-Handel zu finden. Doch daran wird die Branche nicht vorbeikommen und so wird es immer wieder zu Scharmützeln kommen. Allerdings wird wohl auch schnell Gras über alles wachsen, denn die in der Zwischenzeit angekündigte Zusammenarbeit von Sinn-Spezialuhren mit Online-Portalen stieß kaum auf Resonanz.

Text: Iris Wimmer-Olbort

www.nomos-glashuette.com

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