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Silberstreif am Horizont

Das Jahr 2015 war nicht leicht für den globalen Diamantenhandel.

Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen verlangsamten die Nachfrage. Ein Überangebot in bestimmten Kategorien drückte auf die Preise. Doch die Trendwende zeichnet sich ab.


Antwerpen ist der größte Diamanthandelsplatz der Welt. Hier spürt man Marktveränderungen zuerst. Und: Die jüngst veröffentlichten Handelszahlen für den Februar belegen eine Erholung. So wurden insgesamt Diamanten im Wert von 5,1 Milliarden US-Dollar importiert und auch wieder exportiert. Das sind 25 Mil-lionen Karat rohe und geschliffene Steine. Im Vergleich zum Februar 2015 bedeutet dies eine Steigerung von 38 Prozent bei den Umsätzen und ein Plus von 4,5 Prozent mengenmäßig. Ein genauerer Blick auf die Zahlen vom Feb-ruar im Vergleich zum Vormonat Januar zeigt eine bemerkenswerte Wende beim Handel mit Rohdiamanten: Die Einfuhr stieg um 82 Prozent im Wert und 106 Prozent beim Volumen. Insgesamt 12 Millionen Karat Rohdiamanten wurden im Februar im Gesamtwert von 1,3 Milliarden US-Dollar nach Antwerpen importiert. Russland ist mit einem Anteil von 33 Prozent und insgesamt 4,25 Millionen Karat der bedeutendste Lieferant von Rohdiamanten. Doch der AWDC (Antwerp Diamond Council) ist noch vorsichtig mit seinen Einschätzungen über die weitere Entwicklung. Zumindest hätte der Handel wieder „etwas Luft zum Atmen gewonnen“, so das Resümee.

Stabile Preise bei verhaltener Nachfrage

Der jüngste Report von Martin Rapaport für das erste Quartal gibt ebenfalls Anlass zur Hoffnung auf eine Trendwende. Die Preise für geschliffene Diamanten waren demnach im März stabil. Dies ist insbesondere auf die beständige Nachfrage der Händler zurückführen, die aber lediglich ihre Bestände auffüllen und gezielt mit ihren Einkäufen auf Bestellungen reagieren. Wie sich die Nachfrage aufseiten der Verbraucher entwickeln wird, bleibt aber laut Rapaport indes ungewiss.

Das erste Quartal des Jahres 2016 verlief für die Diamanthändler verhältnismäßig positiv. Der RapNet Diamant-Index für 1-Karäter mit GIA-Zertifikat stagnierte zwar im März, im ersten Quartal insgesamt jedoch legte er um 1,4 Prozent zu und konnte damit das bereits positive vierte Quartal 2015 fortsetzen. Allerdings fiel der Index im ersten Quartal 2015 um 4,6 Prozent unter das Niveau des Vorjahres. Der RAPI für 0,30-Karäter fiel im März um 0,6 Prozent, der RAPI für 0,50-Karäter blieb unverändert und der RAPI für 3-Karäter gab um 0,4 Prozent nach. Der Rapaport-Monatsbericht zeigte, dass sich die frisch produzierten Steine besser verkaufen als Lagerware.

Auf der Märzmesse in Hongkong war dementsprechend bei den Diamanthändlern viel los, wohingegen es im Schmuckbereich aufgrund der zurückhaltenden Nachfrage in China eher ruhig zuging. Die Messe in Basel war geprägt von der schwachen Konjunktur und der sehr vorsichtigen Luxusnachfrage in Europa. Begehrt waren hier seltene, intensiv rosafarbene und blaue Diamanten. Große Steine wurden auf der Baselworld lediglich als Schnäppchen verkauft.

In den kommenden Monaten soll laut Rapaport das Angebot an polierter Ware um 20 Prozent zulegen, da die Schleifereien nach einem Rückgang von 40 Prozent in der zweiten Jahreshälfte 2015 nun wieder die Produktion steigern. Die Nachfrage nach Rohsteinen wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2015 nachgeben, da das Angebot an polierter Ware zulegen wird. Die Preissenkungen von sieben bis zehn Prozent bei De Beers im Januar haben die Rentabilität der Schleifereien verbessert. Allerdings hatte Martin Rapaport angesichts der angespannten Lage sogar Preisreduzierungen von 30 bis 50 Prozent für die Rohware von De Beers gefordert. Davon ist man weit entfernt, obwohl Sightholder bei den letzten Sights einige Auswahlen nicht abnahmen. Die Diamant- und Edelsteinbörse Idar-Oberstein beobachtet dadurch bei einigen Kategorien über ein Karat ein Austrocknen des Marktes.   

Generation Y kauft Diamantschmuck

Auch aus den USA, mit 45 Prozent Anteil am globalen Diamantschmuckmarkt der größte Player, gibt es laut einem Bericht von De Beers hoffnungsvolle Signale: Zuletzt wuchs er um fünf Prozent im Jahr 2015 auf einen Gesamtumsatz von 39 Milliarden US-Dollar. Grund seien hier vor allem die Millenials, die Gene-ration Y, die um die Jahrtausendwende herum Teenager waren. Sie zeigten ein, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil, überproportionales Interesse an Diamantjuwelen. Global gab die Konsumentennachfrage nach Preziosen mit dem König der Edelsteine aufgrund des starken Dollars um zwei Prozent nach: auf 79 Milliarden US-Dollar (2014: 81 Milliarden).

„Der Markt ist momentan indifferent“, sagt Jochen Müller, Präsident der Diamant- und Edelsteinbörse Idar-Oberstein. „Wir wissen noch nicht genau, wohin die Reise geht, zumal die Rohsteinpreise wieder leicht anziehen, was den Druck auf die Schleifereien erneut erhöht.“

Text: Axel Henselder

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