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Die Kauflaune der Deutschen ist dank guter Konjunktur, steigender Einkommen und niedriger Inflation blendend. Illustration: Nadine Pfeiffer

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Markt National

So reich wie nie zuvor

Den Deutschen geht es gut. Die Konjunktur brummt, die Einkommen steigen und die Arbeitslosigkeit verharrt auf dem niedrigsten Niveau seit 25 Jahren. Beste Voraussetzungen für ein gutes Weihnachtsgeschäft.


Die guten Nachrichten für den deutschen Fachhandel häufen sich. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres sind die Deutschen um 140 Milliarden Euro reicher geworden. Die Bundesbank hat errechnet, dass das Geldvermögen im ersten Quartal um diese enorme Summe gewachsen ist. Allein der Besitz von Bargeld, Bankguthaben, Wertpapieren sowie Versicherungsansprüchen erhöhte sich um 53 Milliarden Euro. Insgesamt verfügten die Deutschen Ende März über ein Geldvermögen von über 5,2 Billionen Euro. Allerdings ist es sehr ungleich verteilt, denn die Schere zwischen arm und reich öffnet sich immer mehr. Der Durchschnittswert von 64 000 Euro pro Bundesbürger hat deshalb kaum einen Aussagewert. Es gibt eindeutig mehr Reiche denn je: Die Zahl der deutschen Dollar-Millionäre wuchs laut dem World Wealth Report der Unternehmensberatung Capgemini im Vorjahr um 0,9 Prozent auf aktuell rund 1,14 Millionen Personen. 2013 gab es noch dank guter Performance auf den Aktienmärkten einen Zuwachs von 11,4 Prozent bei den deutschen Millionären.

„Mittelstand mit Netto

mehr Geld in der Tasche.“

Doch der deutsche Fachhandel verdankt sein Wohl und Wehe in erster Linie nicht den Superreichen, sondern dem Mittelstand. Und auch hier sorgen die Zahlen für eine optimistische Prognose für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft. Ein reales Wirtschaftswachstum von knapp zwei Prozent ist für Deutschland nach Auffassung führender Auguren weiterhin möglich. Deutschlands Konjunktur ist getrieben vom starken privaten Verbrauch. Die Wirkungen von niedrigen Ölpreisen und Wechselkursen sind ebenso positiv zu sehen. Die anhaltend niedrige Inflationsrate sorgt dafür, dass die deutschen Verbraucher dank Lohnerhöhungen im Schnitt 100 Euro mehr im Portemonnaie haben. Bei Ehepaaren und Familien liegt der Betrag entsprechend höher. Beim Handel hat sich das bereits niedergeschlagen: Die Umsätze schnellten laut Statistischem Bundesamt im Juli mit plus 3,1 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres überraschend in die Höhe. Der deutsche Einzelhandelsverband HDE geht weiterhin von einer Steigerung der Umsätze in Höhe von 1,5 Prozent für das Gesamtjahr aus – obwohl zuletzt der Konsumklima-Index der Gesellschaft für Konsumforschung GfK wegen der Probleme in China sowie des Flüchtlingszustroms im September leicht nachgab.

Auch der Bundesverband der Juweliere (BVJ) rechnet insgesamt mit einem positiven Jahresergebnis für die Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte. Das bestätigen die Aussagen einer neuen Studie des Instituts für Handelsforschung und der GfK im Auftrag der Messe Frankfurt. Wurden 2014 für Schmuck, Uhren und persönliche Accessoires noch 9,6 Milliarden Euro ausgegeben, so wird eine Steigerung des Marktvolumens bis 2019 auf 10,7 Milliarden Euro prognostiziert. Damit würde im Jahr 2019 jeder Bürger 133,66 Euro im Durchschnitt für die persönlichen Begleiter im Alltag ausgeben. Unterstützung erfahren diese Zahlen vom Bericht des World Gold Council (WGC) für das zweite Quartal. Demnach stieg in Deutschland die Goldnachfrage um sieben Prozent. Auch die Exporte der eidgenössischen Uhrenindustrie in das nördliche Nachbarland zogen laut den jüngsten Zahlen um kumuliert 1,6 Prozent zwischen Januar und Juli gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Allein im Juli lag das Plus bei 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahrsmonat, so der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH.

Mehr „JA“-Sager beflügeln

den Ringmarkt.

Nicht zuletzt beflügeln Eheschließungen den Trauringmarkt – ein wichtiger Treiber des Schmuckverkaufs gerade um die Weihnachtszeit. Denn der Verlobungsring liegt immer häufiger unterm Tannenbaum. „Ja“-Sagen liegt im Trend. Über 386 000 Verliebte – und damit 12 000 Paare mehr als im Vorjahr – schlossen 2014 den Bund der Ehe. Ein Zuwachs, der sich nach Angaben dem BVJ auch im Markt für Trauringe widerspiegelt. „Seit Jahren verzeichnen wir bei Trauringen, Verlobungs- und Antragsringen eine zunehmende Nachfrage im Fachhandel“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des BVJ. „Die Kunden suchen beim Trauringkauf verstärkt Beratung, Individualität und Wertigkeit. Die insgesamt wieder steigende Zahl der Eheschließungen belebt diesen Markt zusätzlich.“ Gold ist bei Trauringen nach wie vor erste Wahl. Mit der preislichen Annäherung von Platin und Gold sind zwar auch Platinringe ein Thema – aber Gold ist mit weitem Abstand bei den Deutschen der Trauring-Favorit. Gelbgold ist der Klassiker, Weißgold wird beliebter und Rosé-/Rotgold setzt auch bei Trauringen neue Akzente. Preiswerte Alternativen wie Stahl, Palladium oder Titan hingegen sind laut dem Kölner Verband bei Trauringen nicht so häufig gefragt. Insgesamt wachse in der Schmuckbranche der Anteil von weißen Metallen, wovon bei Trauringen Weißgold und Platin profitieren.

von Axel Henselder

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