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Das Recycling von Edelmetallen ist und bleibt die Kernkompetenz der Scheideanstalten, auch wenn immer mehr Services hinzukommen

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Glühende Verehrung

Seit jeher wird Gold und Silber wiederverwertet.

Die Rohstoffe sind einfach zu wertvoll. Heute stammen circa 30 Prozent des weltweiten Goldangebots aus dem Recycling. Die deutschen Scheideanstalten spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie bedienen praktisch zu 100 Prozent die Nachfrage nach dem gelben Edelmetallaus der Wiederaufbereitung. Doch damit nicht genug: Das Leistungsportfolio umfasst zum Beispiel auch die Entwicklung neuer Legierungen und den 3-D-Druck von Modellen. Auf den folgenden Seiten finden Sie ein Update über die Angebote der führenden Scheideanstalten. 


Eine Frage des Vertrauens

Die Weltwirtschaft schwächelt, Schulden explodieren, Zinsen verharren auf Tiefständen. Bares scheint auch nicht mehr Wahres zu sein. Nur Gold gilt als sicherer Hafen. Scheideanstalten bieten sich als Ansprechpartner rund ums edle Metall an.

Die Goldliebe wächst. Investmentguru George Soros machte erst jüngst mit einer spektakulären Umschichtung seiner Vermögenswerte von US-Aktien in Gold von sich reden. Der König der Hedgefonds hat immer wieder das richtige Gespür bewiesen. Er befürchtet eine harte Landung Chinas und damit einhergehende defla-tionäre Tendenzen sowie einbrechende Aktienkurse weltweit. So wie der US-Milliardär mit ungarischen Wurzeln denken mittlerweile viele Anleger – und das nicht ohne Grund: In den ersten drei Monaten des Jahres machte der Goldpreis mit einem Plus von 16 Prozent den größten Quartalssprung seit 1986. Die Goldnachfrage erlebte laut World Gold Council (WGC) in diesem Zeitraum eine Steigerung von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Alistair Hewitt, Leiter Market Intelligence beim WGC: „Angespornt von negativen Zinsen erwies sich der Anlagesektor als die dominierende Triebkraft bei der Nachfrage. Für die Zukunft erwarten wir, dass die laufende Marktunsicherheit und unkonventionelle Geldpolitik zur Stützung des Absatzes führt.“ Mehr als 1290 Tonnen Anlagegold (+ 122 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2015 und + 201 Prozent gegenüber dem 4. Quartal 2015) wechselten von Januar bis März den Besitzer, das ist die zweitstärkste Nachfrage seit 2000. Nur im Schlussquartal 2012 war sie höher. Damals erreichten die Notierungen mit 1800 US-Dollar die Feinunze einen Rekordstand. Der Anstieg der Goldnachfrage wurde vor allem durch Zuflüsse in Exchange Traded Funds (ETFs) ausgelöst, die in den ersten drei Monaten 364 Tonnen aufkauften.

Wie es mit dem Goldpreis nun weitergeht, hängt vor allem von der Geldpolitik und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Die jüngsten Ölpreiserhöhungen lassen die Angst vor Inflation wieder aufkeimen. Bei Ölpreisen von 80 Euro je Barrel zu Beginn des kommenden Jahres wären Teuerungsraten von etwa vier Prozent möglich – das gab es in Deutschland letztmals vor etwa 25 Jahren. Nicht nur „Euroland“ wäre betroffen, weltweit würde das für steigende Inflationsraten sorgen. „Für den Goldpreis hätte dies mit hoher Wahrscheinlichkeit steigende Notierungen zur Folge, da Gold seiner Eigenschaft als Inflationsschutz gerecht würde“, konstatierte jüngst der Edelmetallspezialist C. Hafner in einem Marktbericht.


Einbrüche vor allem in Fern- und Nahost

Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Die steigenden Notierungen haben die Goldnachfrage der Schmuckindustrie im ersten Quartal um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahrszeitraum deutlich einbrechen lassen. Rund 482 Tonnen des gelben Edelmetalls wurden zwischen Januar und März zu Geschmeide verarbeitet. Das sind 115 Tonnen weniger als noch im Vorjahrszeitraum. Fast 100 Tonnen des Minderverbrauchs gingen auf das Konto zweier Länder: Indien und China. Grund: In Fernost kaufen die Konsumenten lieber bei stabilen Preisen. In Indien war mit einem Minus von 44 Prozent ein außergewöhnlicher Einbruch zu beobachten. Die indische Regierung hatte Ende Februar die Schmuckbranche mit massiven Steuer-erhöhungen belastet. Die Folge waren ausgedehnte Streiks bei Juwelieren und Herstellern. Allerdings rechnen Marktexperten mit einer Er-holung der indischen Schmucknachfrage im laufenden Jahr. Auch in China stand das erste Quartal mit einem Minus von 17 Prozent bei der Goldnachfrage für Schmuckzwecke unter keinem guten Stern. Grund war hier unter anderem die schleppende Konjunktur, die den Konsumenten die Kauflaune verdarb. Die Absätze an Gold- und Silberschmuck im Reich der -Mitte mussten offiziellen Statistiken zufolge ein Minus von fast vier Prozent verkraften. In Nahost machte der Mix aus geopolitischen Konflikten, niedrigem Ölpreis und rückläufigem Tourismus der Schmuckindustrie zu schaffen und bewirkte prozentual zweistellige Einbrüche bei der Nachfrage. In der Türkei, dem Preziosen-Basar Europas, erreichte die Goldnachfrage der Schmuckindustrie mit einem Minus von 18 Prozent den niedrigsten Wert seit dem vierten Quartal 2012. Terroranschläge, Syrienkrieg, Flüchtlingskrise und die strauchelnde Wirtschaft sind die Ursachen.

Lichtblicke in den USA und Europa

Ein Lichtblick ist laut dem World Gold Council die Goldnachfrage der Schmuckhersteller in den USA, die immerhin um zwei Prozent im ersten Quartal zulegte. Das ist das neunte Quartal in Folge mit steigenden Werten – beeindruckend angesichts der zögerlichen Konjunkturerholung. Die Industrie profitiert hier von der Rückbesinnung der Juweliere auf das Goldsegment, nachdem sie zuvor Echtschmuck radikal aus ihrem Angebot gestrichen hatte. Und die Verbraucher nehmen dieses -Angebot an, wie die zweistelligen Zuwachs-raten bei den Goldschmuckimporten in die USA belegen. In Europa bewegen sich laut WGC die Zahlen auf dem Niveau der letzten vier bis fünf Jahre. Nach dem saisonalen – alljährlich zu beobachtenden – Sprung zum Weihnachtsgeschäft legte im ersten Quartal die Nachfrage nach Goldigem erst mal wieder eine Pause ein. In Deutschland zeigt sich das -deutlich: Im vierten Quartal 2015 lag die -Goldnachfrage für Schmuckzwecke bei 5,2 Tonnen – was der Hälfte des Gesamt-bedarfs des Jahres entspricht. Im ersten Quartal dieses Jahres schrumpfte sie wieder auf das Vorjahrsniveau von 1,7 Tonnen.


Recycling weiter im Aufwind

Auf der Angebotsseite ist das Recycling für die Scheideanstalten von Bedeutung – in Deutschland deckt es die komplette Schmucknachfrage ab. Weltweit wurden rund 361 Tonnen Gold im ersten Quartal recycelt. Gegenüber dem Vorjahrszeitraum ist das ein kleines Minus von einem Prozent, gegenüber dem Vorquartal aber ist es ein sattes Plus von 53 Prozent. Der gestiegene Goldpreis Anfang des Jahres hat Verbraucher wieder dazu motiviert, ihr Fami-liensilber zu verkaufen.

Eins macht die Marktanalyse deutlich: Das Geschäft mit den Edelmetallen ist vor allem eine Frage des Vertrauens. Mit welchen Ser-vices und Produkten die führenden Scheide-anstalten aktuell um das Vertrauen des Fachhandels ringen, zeigt die Redaktion auf den folgenden Seiten.

Text: Axel Henselder

Quelle: Metal Focus; GFMS, Thomson Reuters; World Gold Council

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