Das Magazin für Schmuck und Uhren

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Foto: Baselworld.com

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Eine Frage der Perspektive

Am 17. März öffnet die Baselworld ihre Tore. 

Gespannt wartet die internationale Uhren- und Schmuckbranche auf dieses Event, entscheidet sich doch hier, wie es mit der Luxusgüterkonjunktur weitergeht. Eins ist jetzt schon sicher: Die Zeiten werden nicht einfacher.


Die Wirtschaftsmeldungen aus jüngster Zeit geben einen interessanten Einblick in die Entwicklung des Luxusmarktes. Der Edeljuwelier Tiffany gab aktuell bekannt, dass der starke Dollar das Geschäft belastet. Im November und Dezember 2015 fielen die ­Umsätze um sechs Prozent. Bis zum Ende des ­Geschäftsjahres (Ende Januar) rechnete Tiffany wegen des hohen Dollars mit Einbußen in Höhe von zehn Prozent. Bei der Richemont-Gruppe schwächelte der Umsatz im Vorjahr mit einem Minus von vier Prozent.

Auch der Nettoumsatz der Swatch Group schrumpfte im vergangenen Jahr um drei Prozent. Das Unternehmen verweist ebenfalls auf Währungseffekte als ein Hauptgrund für die Rückgänge. In Euro gerechnet, sei man aber um 10,3 Prozent gewachsen. Der Währungsschock der Franken-Freigabe durch die Schweizer Nationalbank SNB im Januar 2015 jedoch zeigte seine Folgen. Der Betriebsgewinn sank um 17,2 Prozent. Trotzdem rechnet der Schweizer Uhrenkonzern für das laufende Jahr mit einem Wachstum von fünf Prozent. Erreicht werden soll dies mit dem Ausbau der eigenen Vertriebswege, denn der unabhängige Fachhandel zeige sich momentan besonders zurückhaltend. Daher will man lieber das Heft selbst in die Hand nehmen. Allein 2015 wurden mehr als 100 eigene Verkaufsgeschäfte in Bestlagen, vor allem in Fernost, eröffnet.

Das erste Minus seit der Finanzkrise

Das Wachstum in stagnierenden bis schrumpfenden Märkten dürfte kein leichtes Unterfangen werden. Viele Nobelmarken stellen sich eher auf die schlechter gewordenen Aussichten in den wichtigsten Märkten ein. In Hongkong, für die Schweizer Uhrenhersteller die mit Abstand wichtigste Destination für Exporte, sind die Verkaufszahlen 2015 um fast 23 Prozent eingebrochen. Die Ausfuhren in die USA stagnieren, nach China gingen sie um fast fünf Prozent zurück, obwohl Letztere sich gegen Ende des Jahres verbesserten und im Dezember sogar um 5,5 Prozent zulegen konnten.

Die Ausfuhren nach China haben in den letzten Jahren eine regelrechte Achterbahnfahrt erlebt: Erst gab es zweistellige Wachstumsraten. Dann kam die Anti-Korruptions-Kampagne, mit der die Regierung extravagante Geschenke wie teure Uhren an Regierungs­beamte verbot. Hinzu kommen nun seit letztem Sommer ein Abflauen der Konjunktur auf dem chinesischen Festland und Kursstürze an den chinesischen Börsen.

In der Top-Ten-Liste der Ausfuhrziele legte lediglich das Geschäft mit Italien (+6,4 Prozent), Frankreich (+9,4 Prozent) und England (+19,1 Prozent) zu. Der deutsche Markt zeigte sich mit einem schwachen Plus nicht sehr ­dynamisch. Insgesamt hatte im Vorjahr die exportverwöhnte Schweizer Uhrenindustrie einen Rückgang von 3,3 Prozent zu verkraften. Das erste Minus seit der Finanzkrise 2009.

Der Durchschnittswert der exportierten Uhren lag 2015 bei etwa 2000 Euro ohne Steuern. Vor allem Uhren in den Preislagen zwischen 200 bis 500 Franken erfuhren das größte Nachfrageminus, sie stehen für 15 Prozent der Exporte. Während Uhren in den unteren (bis 200 Franken) und mittleren Preislagen (500 bis 3000 Franken) leicht zulegen konnten, schrumpfte das Topsegment jenseits davon. Überdurchschnittlich mussten Zeitmesser mit Gehäusen aus Gold oder Platin Federn lassen (-4,8 Prozent). Die Glanzzeiten für die besonders feinen Ausführungen Schweizer Zeitmesstechnik scheinen vorbei, eine neue Bescheidenheit kehrt ein.

Jammern auf hohem Niveau?

Bei all den genannten Zahlen gilt zu berücksichtigen, dass sich die Exporte von Uhren und Werken mit 21,5 Milliarden Franken (2014: 22,25 Milliarden Franken) im langfristigen Vergleich noch auf Rekordniveau befinden. Doch die Luft wird dünner, zumal immer neue Krisen die Verbraucher weltweit erschüttern: Aktiencrash und Wachstumseinbrüche in ­China, ein drohendes Wiederaufflammen der Finanzkrise, ein erneuter Schulden-Showdown in Griechenland, die Flüchtlingsproblematik, der Krieg im Nahen Osten, der drohende Brexit, schwacher Rubel, starker Franken und Dollar, der Verfall der Ölpreise und damit inhergehende Konjunkturprobleme der Förderländer, allen voran der BRIC-Staaten – die Liste negativer Nachrichten ließe sich beliebig fortsetzen. Das beflügelt nicht gerade den ­Luxuskonsum. So werden nach Expertenmeinung die Ausfuhren der Schweizer Uhren­industrie bestenfalls stagnieren.

Mit mehr Einstiegsmodellen aus Edelstahl statt aus Edelmetall mit Diamanten wollen die eidgenössischen Manufakturen nun verstärkt Käufer locken, die das ganz große Geld für den Luxus am Handgelenk nicht mehr locker­machen wollen oder können. Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie rechnet damit, 2016 bestenfalls den Exportwert von 2015 zu erreichen.

Instabile Marktlage verunsichert Aussteller

Doch inwieweit tangiert die Nachrichtenlage die kommende Baselworld? Sylvie Ritter, Managing Director der Baselworld: „Gespräche, die wir im Vorfeld der Baselworld mit unseren Ausstellern führten – nicht zuletzt über die ­Situation am Weltmarkt –, zeigen, dass viele verunsichert sind und befürchten, dass die ­instabile Marktlage länger andauern könnte.“ 

Trotz der gewachsenen Unsicherheit haben sich die meisten Aussteller wieder für eine Teilnahme an der Baselworld entschieden. Rund 1500 der besten und renommiertesten Weltmar­ken der Luxusgüterbranche werden bei der Auflage 2016 ihre Neuheiten präsentieren. Nur aus China verzeichnete die Messeleitung einige Absagen. Sylvie Ritter verweist darauf, dass die Umsätze der Schweizer Marken zwar leicht rückläufig gewesen seien, doch vor wenigen Jahren wären alle mit solchen Zahlen noch hochzu­frie­den gewesen. Alles eine Frage der Perspektive. Ritter sieht als Gründe für die Kaufzurückhaltung: „Neben zahlreichen Krisengebieten sind das derzeit beispielsweise der Preisverfall beim Rohöl und der tiefgreifende Strukturwandel, in dem sich die chinesische Wirtschaft befindet.“

Insgesamt befindet sich die Branche trotz aller Krisen in einer gesunden Verfassung und blickt optimistisch dem kommenden Event entgegen. Gerade der Wandel bietet immer auch neue Chancen und Perspektiven. Und die Baselworld ist und bleibt das wichtigste Event der Uhren- und Schmuckbranche weltweit: Hier kommen alle führenden Köpfe zusammen, tauschen sich aus und gestalten mit ihren Visionen, Produkten und Ideen die Branchenzukunft. 

Industrie in Hongkong nimmt leichte Einbußen hin

Auf dem vom Hong Kong Trade Development organisierten Hongkonger Gemeinschaftsstand in Halle 4.0 und 4.1 stellen 2016 insgesamt 120 Firmen aus (2015: 152), darunter 65 Schmuck- und 37 Uhrenhersteller. Die Hongkonger Industrie zeigt deutliche Bremsspuren. Die Exporte von Echtschmuck gingen 2015 gegenüber dem Vorjahr um 12,2 Prozent zurück. Die USA und die EU ­blieben Hongkongs wichtigste Märkte für Echtschmuck. Während sich die Exporte in die USA um 2,5 Prozent erhöhten, gingen die in die EU jedoch um 2,3 Prozent zurück. Nach Ländern betrachtet war der zweitgrößte Exportmarkt nach den USA die Schweiz. Hierhin ging Echtschmuck im Wert von 651 Millionen US-Dollar, 31,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Exporte nach Deutschland erreichten 88 Millionen US-Dollar, ein Rückgang um 27,5 Prozent. Die Importe nach Hongkong erreichten 2015 circa 11,84 Milliarden US-Dollar, ein Minus von 18,6 Prozent. Hier lag die Schweiz nach China und Indien auf dem dritten Platz der Importmärkte, Deutschland landete auf Platz 17. Die Hong­konger Uhren­exporte gingen 2015 um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Die größten Märkte waren auch hier die USA und die EU, in die rund ein Drittel aller fertigen Uhren gingen. In beiden Märkten blieb die Nachfrage moderat unter der des Vorjahres. Größter Exportmarkt für fertige Uhren waren die USA, gefolgt von der Schweiz mit einem Plus von 7,8 Prozent. Nach Deutschland wurden Uhren im Wert von 381 Millionen US-Dollar exportiert, ein Minus von 13,7 Prozent. 2015 importierte Hongkong Uhren im Wert von 7,15 Milliarden US-Dollar, was einem Rückgang um 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. An erster Stelle der Importländer stand wiederum die Schweiz.

Text: Axel Henselder

 

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