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„Die wirtschaftliche Kompetenz des Verbandes ist wichtig“

BV Schmuck + Uhren

Seit Mitte März ist Guido Grohmann neuer Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Schmuck + Uhren. Welche Akzente er setzen möchte, verrät er exklusiv im GZ-Interview.

GZ: Wie sieht die künftige Verbandsausrichtung aus? Was wollen Sie ändern, was beibehalten?

Guido Grohmann: Prinzipiell dreht es sich in erster Linie nicht darum, etwas großartig zu ändern. Es geht zunächst einmal bei einer etablierten Organisation, die gut arbeitet, vor allem um Kontinuität. Sicherlich hatten wir in den vergangenen Jahren diverse Umstrukturierungen im Verband. Auch die Wahl meiner Person als Geschäftsführer ist eine klare Richtungsentscheidung. Früher stand mehr der juristische Part im Fokus der Verbandsführung. Nun will man auch starke Akzente im wirtschaftlichen Bereich setzen, das entspricht den Wünschen unserer Mitglieder. Letztlich ist das Ziel, den Mitgliedern die bestmöglichen Leistungen zu erbringen.

Woraus bestehen diese Leistungen?

Das ist zum einen die juristische Beratung, beispielsweise im Arbeitsrecht, die durch Johannes-Peter Schmitt sehr gut abgedeckt ist. Hinzu kommen die persönliche Beratung sowie die Interessensvertretung auf Bundes- und Landesebene. Drittens kommt es darauf an, mit dieser Interessensvertretung in der Politik sowie mit unseren Informationen unseren Mit gliedern echte handfeste wirtschaftliche Vorteile zu generieren.

Wie sehen die wirtschaftlichen Aspekte der Verbandsarbeit konkret aus?

Nehmen Sie die großen Frühjahrsmessen als Beispiel. Wir sammeln in München und Basel die Anliegen, Verbesserungsvorschläge sowie Kritiken unserer Mitglieder ein und aggregieren diese. So vertreten wir bei den Messegesellschaften die Anliegen dieser Aussteller mit dem Ziel, dass sich ihre Investition in den Auftritt bestmöglich rechnet und die Situation sich nachhaltig verbessert. Da ich die Problematik der Wirtschaftlichkeit von Messen aus eigener Anschauung bestens kenne, kann ich hier auch die Situation sehr gut einschätzen und Maßnahmen einleiten. Wir leben zudem in unsicheren Zeiten, wo die politische Lobbyarbeit an Bedeutung gewinnt. So sprechen wir auch mit Bundestagsabgeordneten und nehmen Einfluss auf die Rahmenbedingungen, bringen unsere Anliegen vor und reden Tacheles. Die Öffentlichkeitsarbeit für unsere Mitgliedsunternehmen und für den Verband spielt dabei gleichfalls eine große Rolle. Hier möchte ich als unternehmerisch denkender Mensch die ein oder andere Facette der bisherigen Öffentlichkeitsarbeit verbessern.

 

GZ Interview
Im Gespräch mit Axel Henselder, stellvertretender GZ-Chefredakteur, erläutert Guido Grohmann seine Leitlinien für die Verbandsarbeit (Foto: Hannes Magerstaedt)

Welche Rolle spielen bei der Verbandsarbeit die Fachgruppen?

Die Fachgruppen, die sich in den letzten vier Jahren gebildet haben, sind ein ganz großer Schritt nach vorn. Hier treffen sich regelmäßig Experten aus dem Uhren- und Schmuckbereich. Wir haben insgesamt fünf Fachgruppen: Uhren, Schmuck, Großhandel, Reach beziehungsweise Compliance sowie Trauringe. Da setzen sich Mitwettbewerber an einen Tisch und diskutieren Themen und erreichen so gemeinsam mehr, als sie es allein könnten. Ein Beispiel sind die aus den Fachgruppen hervorgegangene Initiativen „Made in Germany“. Das ist eine tolle Sache, allerdings finden die sich selbstständig. Der Verband beteiligt sich nicht direkt daran, da er ja die Interessen aller Mitglieder vertritt. Aber wir werben für die Fachgruppenarbeit. Wenn sich daraus neue Dinge entwickeln, ist das auch eine Bestätigung unserer Arbeit. In einem nächsten Schritt möchten wir zunächst die Leiter der Fachgruppen an einen Tisch bekommen, um zu sehen, welche gemeinsamen Themen es gibt. Compliance zum Beispiel geht alle an.

Wie ist die Mitgliederentwicklung?

Nun, es gab immer Aufs und Abs. Im letzten Jahr hatten wir drei Mitgliedsunternehmen verloren, aber dafür zehn dazugewonnen. Es gibt keinen Schwund bei der Anzahl der Mitglieder, aber die Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten ihr Personal abgebaut, die bei uns organisierten Unternehmen haben also immer weniger Mitarbeiter. Bei uns sind die Kleinen die Großen, mehr als 60 Prozent sind Mittel- und Kleinunternehmen. Wir werben intensiv neue Mitglieder, gerade auch unter den Einzelkämpfern – mit Erfolg.

Was sind Ihre Hauptargumente für eine Verbandsmitgliedschaft?

Es sind fünf Aspekte: persönliche Beratung, Information, Rechtsvertretung, Interessensvertretung und Öffentlichkeitsarbeit. Ein wichtiger Punkt ist die Schulung und Ausbildung über das USE Bildungszentrum, welches wir mit den anderen Verbänden zusammen betreiben. Die Mitglieder können je nach individuellem Bedarf diese Leistungen abrufen.

Welche Bedeutung hat das Goldstadtjubiläum für den Verband?

Nun, die meisten unserer Mitglieder rekrutieren sich aus Pforzheim. Daher hat die Mitgliederversammlung auch beschlossen, dass wir uns engagieren. Wir haben uns vor allem an Maßnahmen beteiligt, die über das Jubiläumsjahr hinaus eine Wirkung entfalten. So trifft sich das Responsible Jewellery Council RJC aufgrund unserer Einladung hin am 11. Mai in Pforzheim ebenso wie die Europäischen Uhrenausschüsse. Höhepunkt ist die von uns geförderte Gala am 12. Mai, die wir mit einem Jubiläumsempfang einläuten. Wir bringen die Menschen hier zusammen, damit sie über Fachgrenzen hinweg Kontakte knüpfen, sich austauschen und so positive Impulse geben und aus Pforzheim mitnehmen.

www.bv-schmuck-uhren.de

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