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„Die Branche setzt auf den Herbst“

Foto: Hannes Magerstaedt

GZ: Was beobachten Sie derzeit auf den Diamantmärkten?

Jochen Müller: Die Nachfrage nach geschliffenen Diamanten ist weltweit nach wie vor stagnierend. Diese Kaufzurückhaltung wird noch verstärkt durch die Sommerferien in den wichtigsten Märkten. Alles richtet sich nun für den Herbst auf eine Steigerung der Verkäufe ein. Die Richtung, wie es weitergeht, wird letztlich die September-Messe in Hongkong vorgeben.

 

Wie passen sich die Minengesellschaften an die Entwicklung an?

Bisher haben die großen Minengesellschaften ihre Förderung gedrosselt, weil sie ein Überangebot an geschliffener Ware sehen. Die Rohdiamantverkäufe sind im Jahresvergleich leicht gestiegen, wobei die Gesellschaften bei geringerer Förderung gleichzeitig ihre im letzten Jahr aufgebauten Lagervorräte abgeschmolzen haben. Dies wird auch für den Rest von 2016 der Fall sein, wobei die Fördermenge zugunsten des Lagerabbaus noch mal nachgeben dürfte.

 

Und wie reagiert der Handel?

Das Handelsvolumen geschliffener Diamanten ist zurückgegangen, da die Händler angesichts stagnierender Märkte nicht in den Lageraufbau investieren, sondern nur laufende Aufträge bedienen beziehungsweise eigene Ware im Auswahl- oder Kommissionsverfahren zur Verfügung stellen. Entsprechend vorsichtig sind inzwischen auch die Schleifereien, zumal für sie die Finanzierung nach wie vor eine schwierige Aufgabe darstellt und die Banken konsequent den Fokus auf die Lagerbestände, Umschlaggeschwindigkeit und Zahlungsfristen richten.

 

Inwieweit tangiert das die Preise?

Das leicht verbesserte Rohdiamantgeschäft bei gleichzeitiger Stagnation auf den Märkten für geschliffene Ware lässt sich nur erklären durch die Hoffnung der Branche auf eine Verbesserung der Konsumentennachfrage und einen damit einhergehenden Lagerabbau. Der Markt bleibt allerdings labil und rechtfertigt keinerlei Preissteigerungen. Es ist deshalb fraglich, ob die Preise für Rohware nach oben tendieren werden. Auch die Preise für Fertigware sehen Fachleute eher stagnierend. Es wäre schädlich, wenn durch eine Einkaufsrallye bei Rohdiamanten und anschließenden Druck auf die Märkte für geschliffene Diamanten das mittelfristig erreichbare Gleichgewicht zwischen Roh- und Fertigware in Gefahr geriete.

 

Wirkt sich das auch auf den deutschen Markt aus?

Da wir uns international im US-Dollar-Bereich bewegen, wird für den deutschen Markt bei der geschilderten Situation natürlich die Wechselkursentwicklung noch eine Rolle spielen. Insgesamt zeigt sich der Inlandsmarkt als recht stabil. Leider fehlt uns seit Jahren das generische Marketing für Diamanten als Anregung für die Endverbraucher.

 

Warum ist das Marketing hier so wichtig?

Der Luxusmarkt hat sich verändert. Beim Konsumenten steht der Wunsch nach Diamanten nicht mehr auf der Poleposition. Seit Jahren ist eine Kooperation der Minengesellschaften im Gespräch, die etwas Ähnliches leisten soll wie DeBeers in früheren Zeiten. Dazu haben sieben Minengesellschaften die Diamond Producers Association (DPA) gegründet. An erster Stelle ihrer Aufgaben stehen die Erhaltung und Verbesserung der Nachfrage und Festigung des Vertrauens in Diamanten mittels generischer Werbung. Man darf gespannt sein, wie man diese globale Aufgabe mit einem Start-Etat von sechs Millionen Dollar angehen wird.

 

Welche Rolle spielen dabei Synthesen?

Es geht um die Abgrenzung zu synthetischen Diamanten. Die maßgebenden Organisationen verfolgen eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Marktteilnehmern, die Synthesen nicht offenlegen. Es gibt technische Möglichkeiten der Erkennung von künstlichen Steinen, deren Anwendung inzwischen verbreitet ist. Zum anderen ist die Herausstellung des Diamanten eine klassische Marketing-Aufgabe, wobei klar sein muss, dass gemäß allen relevanten internationalen Nomenklaturen mit dem Begriff „Diamant“ immer der natürliche Diamant gemeint ist. Und für die Begrifflichkeit von synthetischen Steinen muss der Rahmen aus Gründen des Konsumentenschutzes eng gesetzt sein. Es geht nicht darum, ein Produkt zu verhindern, sondern die Unterschiede sauber herauszustellen. Alle seriösen Marktteilnehmer sollten ein großes Interesse daran haben, das Vertrauen der Kunden in den Diamanten zu erhalten.

 

Wie verhält es sich mit Diamanten unter dem Aspekt der Wertsicherung?

Das immer wieder propagierte Investment in Diamanten ist sicher ein Thema. Hierzu gibt es bis heute kein überzeugendes Konzept. Das ist nicht erstaunlich, da es keinen transparenten Markt inklusive eines funktionierenden Sekundärmarktes mit einer nachvollziehbaren Bewertung gibt. Die Herausgeber der kursierenden Preislisten müssen sich die Frage gefallen lassen, inwieweit diese die Preisbildung beeinflussen. Kurzum: Diamanten sind im gewissen Umfang zur Wertsicherung geeignet – nicht mehr und nicht weniger.

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