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Das große Comeback?

In den USA ist Gelbgold seit einiger Zeit wieder auf dem Vormarsch, die Gründe scheinen vielfältig.

Eine Bevorzugung der natürlichen Goldfarbe im Rahmen einer allgemeinen Rückbesinnung auf traditionelle Werte, Authentizität und Unverfälschtheit kann da ebenso ausschlaggebend sein wie die intensive Werbung für (Gelb-) Gold als Kapitalanlage. Die GZ analysiert, ob sich dieser Trend auch in deutschen Juweliergeschäften widerspiegelt oder in Zukunft durchsetzen kann.


Die Zahlen des World Gold Council (WGC) aus dem letzten Jahr belegen es: US-amerikanische Juweliere melden bei Gelbgoldschmuck kontinuierlich steigende Verkaufszahlen. Zu beobachten ist dieser Trend seit 2014. Den Beweis führen nicht nur die WGC-Statistiken, sondern auch die Aussagen großer amerikanischer Juweliere, die ihr Sortiment entsprechend ausbauen. Marken, die traditionell auf Gelbgoldschmuck spezialisiert sind, beispielsweise Marco Bicego oder Roberto Coin, erfreuen sich dort einer verstärkten Nachfrage. Zum Teil können zweistellige Wachstumsraten verzeichnet werden, die außerhalb des Trauringsektors liegen und vor allem von Gelbgold getragen werden. Die Gründe für diesen Trend sind vielfältig: Zum einen scheint es eine Rückkehr zu traditionellen Werten und Authentizität zu geben – Gelb ist die natürliche Farbe des kostbaren Edelmetalls, dem die amerikanischen Fachhändler derzeit wieder eine große Bühne bieten. Sogar in Form von Soloauftritten ist das sonnige Gelbgold zunehmend gefragt, denn die Nachfrage nach der Kombination von Gold mit Edelsteinen scheint parallel abzukühlen.

Annäherung des Silber- und Goldpreises

Eine weitere These besagt, dass manche Designideen in Gold einfach besser funktionieren als beispielsweise in Silber. Gestützt wird diese Ansicht von der Tatsache, dass zunehmend lässiger und alltagstauglicher Schmuck aus Gelbgold statt aus anderen Metalle entworfen wird. Neben klassischen Ketten sind hier speziell Schmuckstücke bei den Endkunden gefragt, die sich kombinieren und übereinandertragen lassen – am liebsten in hochkarätigem Gelbgold. Die Annäherung des Silberpreises an den von Gold könnte ebenfalls zu dieser Entwicklung beigetragen haben: Hersteller erachten es als lohnenswerter, ihre Kollektionen aus dem hochwertigeren Gold herzustellen. Und auch die Finanzkrise könnte eine Rolle spielen: Denn erst jetzt entdecken immer mehr junge Kunden Goldschmuck, der aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Zeiten großteils aus den Schaufenstern verschwunden war. Der Blick über den Atlantik zeigt diesen Trend deutlich – ob er auch richtungsweisend für den deutschen Markt sein wird, muss sich erst noch zeigen.

Text: Christel Trimborn & Prisca DeGroat

Das meinen die Experten

Hierzulande sehen sich einige Hersteller und Gestalter durch die wachsende Nachfrage nach Gelbgold bestätigt. Andere können den Trend nicht nachvollziehen und vertrauen weiter auf andere Legierungen.

„Gelbgold ist durch den starken Kursanstieg an den Börsen und der einhergehenden Berichterstattung in den Medien wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Es wird wieder verstärkt nachgefragt und als wertiges Schmuckmetall empfunden“, so Enrico Drechsel, Geschäftsführer der Trauringschmiede. „Vor allem im Trauring- und Solitärbereich funktioniert die Legierung bestens. Der Kontrast von brillantem Steinbesatz zum gelbgoldenen Ringmaterial wird hier oft wesentlich stärker empfunden als bei vergleichbaren Weißgoldringen.“

Für Claudia Schmedding, die gemeinsam mit Andreas Lehmann das Düsseldorfer Designstudio Lehmann & Schmedding leitet, steht fest: „Schließt man die Augen und stellt sich Gold vor, so wird wahrscheinlich jeder an gelbes Gold denken und nicht an Rosé. Ich denke, Roségold ist eher ein Trend; etwas, das kommt und geht. Gelbgold dagegen ist bleibend.“ Für ihre Schmuckentwürfe verwenden die beiden überwiegend Gelbgold, „eine sehr schöne, warme Gelbgoldfarbe, die eher zum Rosé tendiert als ins Grünliche.“

„In unseren Kollektionen setzen wir auch in Zukunft überwiegend auf Rosé- und Weißgold“, sagt Brigitte Kapelle von Capolavoro. Dass Schmuck aus Gelbgold von den deutschen Fachhandelskunden derzeit wieder stärker nachgefragt wird, kann die Marketingfrau nicht bestätigen. „Selbstverständlich können Juweliere unsere Modelle jedoch auf Anfrage gerne in Gelbgold ordern“, fügt sie hinzu.

Michael Thiel aus der Vertriebsabteilung bei Bellaluce bestätigt eher die Nachfrage nach anderen Legierungen als der gelbgoldenen: „Einen Trend zu mehr Gelbgold können wir aktuell noch nicht feststellen, hin und wieder wird nach Gelbgold gefragt. Nach wie vor stark ist Weißgold, gerade im Hinblick auf die neuen Verlobungsringe und die Solitärringe allgemein“, so seine Erfahrung. Ein etwas anderes Bild zeige sich im Trauringbereich – hier gebe es eine leicht gestiegene Nachfrage nach warmen Goldtönen.

Bron

Das niederländische Label Bron lässt sich nicht auf eine Goldfarbe festlegen – alle Schmuckstücke sind jedoch ausschließlich aus 750 Gold gefertigt und in den Varianten Gelb-, Weiß- und Roségold erhältlich. Besondere Eyecatcher sind die farbintensiven Edelsteine, die lässige Akzente setzen oder in Kombination miteinander für harmonische Vielfalt sorgen. Für das Design zeichnet Heleen Bron verantwortlich, die sich von klassischen Formen inspirieren lässt und diese in ein modernes Gewand kleidet. Besonders wichtig ist ihr, dass ihre „Schmuckstücke oft und gern getragen werden sollen – nicht nur sonntags!“

www.bronjewelry.com

Elaine Firenze

Die aus 585 Gelbgold gearbeitete Armspange aus der aktuellen Kollektion „Riviera 2016“ von Elaine Firenze ist ein gutes Beispiel dafür, dass das allgemein als „klassische Goldfarbe“ eingeschätzte Sonnengelb mindestens so modern wirken kann wie Rosé und Weiß. Passende Ohrringe, ein Ring und ein Anhänger, die das gestalterische Element der Endlosschlaufe aufgreifen, ergänzen den Look. 

www.elaine-firenze.de

Knotenschmuck

Seit mittlerweile 15 Jahren stellt Martina Tornow das Symbol des Knotens in den Mittelpunkt ihrer „Knotenschmuck“-Kollektionen. Ob einfach oder mehrfach geknotet, ob als Kette, Ohrring oder Manschettenknopf – als ausdrucksstarkes Symbol der Verbundenheit erfreuen sich die Stücke bei Männern wie Frauen gleichermaßen großer Beliebtheit. Kein Wunder: Trotz der Verwendung von massivem Gold wirken  die zu einem Knoten gewundenen Metallbänder sehr leicht.

www.knoten schmuck.de

CEM

Eine jüngere Zielgruppe will das Münsteraner Unternehmen CEM mit seinem aktuellen Katalog „Classical You“ ansprechen. „Die neuen Modelle aus 585 Gold in Kombination mit Brillanten – und hier speziell der Solitärschmuck – stehen gerade bei einem jüngeren Pubikum hoch im Kurs“, sagt Marketingleiterin Yvonne Abeler. Neben unterschiedlich gestalteten Solitärringen aus Gelb- und Weißgold (teilweise auch in Bicolor) finden trendorientierte Echtschmuckfans eine große Auswahl an Ohrsteckern und Anhängern, allesamt gefertigt aus 585 Gold.

www.engelkemper.de

Lehmann & Schmedding

Die mit Designpreisen ausgezeichnete Ringserie „Marilyn“ von Andreas Lehmann und Claudia Schmedding gehört bereits zu den Klassikern des Designerduos. In diesem Jahr wurden ihre ansonsten farbenfrohen Aramith-Ringe unter anderem durch das Modell „Marilyn 18k“ ergänzt. Wenig überraschend finden die Düsseldorfer Gestalter die spürbare Nachfrage nach Gelbgold – ist es doch von Anfang an ihr bevorzugtes Schmuckmaterial gewesen: „Vielleicht ist es eine Art Rückbesinnung auf tatsächliche Werte“, vermuten sie. Wie ihre bunten Artgenossen ziert auch die goldene „Marilyn“-Variante ein Brillant als kleiner „Schönheitsfleck“.

www.lehmann-schmedding.de

Carrera y Carrera

Meisterlich gefertigte, tragbare Miniskulpturen – dafür steht das spanische Label Carrera y Carrera. Dabei lassen die Gestalter ihrer Fantasie freien Lauf: Drachen, Blumen, Schmetterlinge oder – wie bei der neuen Kollektion „Océanos“ – Kreaturen aus dem Meer werden in üppigen und detailreichen Schmuck umgesetzt. Protagonist dieser Kollektion ist der Oktopus, welcher seine Tentakel kunstvoll um prachtvolle schwarze Perlen windet. Aber auch ausgewählte Edelsteine wie Amethyste, blaue und gelbe Saphire, Turmaline und Diamanten verleihen dem gelbgoldenen Schmuck eine besondere Ausstrahlung.

www.carreraycarrera.com

Trauringschmiede Drechsel

Eine steigende Nachfrage nach Gelbgold kann Enrico Drechsel, Geschäftsführer der Trauringschmiede Drechsel, verbuchen. „Vor allem im Trauring- und Solitärbereich funktioniert die Legierung bestens. Der Kontrast von brillantem Steinbesatz zum Ringmaterial wird hier oftmals wesentlich stärker empfunden als bei vergleichbaren Weißgoldringen“, erklärt er. Funkelndes Beispiel  ist der Ring „Chosen“ von Amaredo, der mit 128 verschieden großen Diamanten besetzt ist. Die wie zufällig wirkende Verteilung der Steine verleiht dem Ring eine lebendige Optik.

www.trauringschmiede.de

Brigitte Adolph

Die im badischen Weingarten ansässige Goldschmiedin und Designerin Brigitte Adolph veredelt ihre Schmuckstücke gleich zweimal: So ist es ihr Markenzeichen, den Schmuckstücken eine solche Textur zu verleihen, dass sie wie feinste Spitze anmuten. Erst auf den zweiten Blick wird erkennbar, dass Ringe, Ohr- oder Halsschmuck aus Edelmetall gefertigt sind. Mit dem von ihr verwendeten 750 Gelbgold verleiht sie ihren Kollektionen zudem eine besondere Tiefe und Strahlkraft, die oft von champagnerfarbenen Brillanten unterstützt wird. Auch bei den neuen Ohrringen und dem Ring „Miss Medea“ kann die elegante Goldfarbe ihre Wirkung voll entfalten. 

www.brigitte-adolph.de

Bellaluce

Obwohl Bellaluce ausgewählte Diamanten meist in Kombination mit Weißgold erstrahlen lässt, bietet die Idar-Obersteiner Juwelenmarke aus dem Haus Giloy auch Klassiker in Gelbgold an. Dazu zählt beispielsweise das Schmuckset „Pallina“, das aus 585 Gelbgold gefertigt wird. Passend zum Ring mit Krappenfassung und dem Anhänger, der mit einem Band von Brillanten umkränzt wird, sind nun auch kreisrunde Ohrstecker mit je einem Brillanten erhältlich. Bei Trau- und Verlobungsringen sehe er durchaus ein wachsendes Interesse für Gelbgold, sagt Jürgen Heindel, verantwortlich für das Trauringsegment, und bestätigt eine leicht gestiegene Nachfrage nach warmen Goldtönen. 

www.bellaluce.de

Capolavoro

Zwischen klassischer Eleganz und urbaner Coolness bewegen sich die Kollektionen von Capolavoro. „Juwelen gewordene Leidenschaft“ lautet das Markenversprechen der bei München ansässigen Schmuckmanufaktur. Dabei setzt das Team von Geschäftsführer Gerhard Fritsch vorwiegend auf das Zusammenspiel ausgewählter Diamanten mit Rosé- oder Weißgold. Einen Trend zu mehr Gelbgold kann Brigitte Kapelle, Marketingverantwortliche bei Capolavoro, nicht ausmachen. Alle Modelle sind jedoch auch in einer Gelbgold-Variante verfügbar. 

www.capolavoro.de

Viola Luxury Brands

Fragt man Rainer Bauer, Geschäftsführer der Pforzheimer Schmuckmarke Viola Luxury Brands, wohin seiner Meinung nach der Farbtrend bei Gold geht, ist seine Antwort eindeutig: „zu Gelbgold!“ Seitens seiner Kunden kann er derzeit eine stärker werdende Nachfrage beziehungsweise Rückbesinnung auf Gelbgold sowie auf Bicolor-Schmuckstücke feststellen. „Luftige, leichte oder zarte Schmuckstücke mit dezentem Steinbesatz, überwiegend mit Diamanten“ seien seiner Meinung nach Schmuckformen, die sich besonders eignen, um aus Gelbgold hergestellt zu werden. Aber auch die Kombination mit edlen Farbsteinen sei gefragt, vor allem in den USA, von woher Rainer Bauer spezielle Wünsche erreichen: „In Amerika haben wir verstärkt Anfragen bezüglich  der Kombination aus Tansaniten und Gelbgold“, sagt er. Und ergänzt: „Unsere Designer arbeiten oftmals nach Kundenwunsch.“ 

www.viola-luxury-brands.de

Vincent van Hees

Geometrische Formen und fließende Linien sind die bevorzugten Stilmittel des niederländischen Goldschmieds Vincent van Hees. Seine Designideen setzt er zum größten Teil in Gelbgold (385 und 750) um. Beim Ring „EVO“ windet sich das Goldband wie selbstverständlich und elegant um den Diamanten und verleiht dem Ring eine unangestrengte Grazie.

www.vincentvanhees.com

Scheffel

„Just Gold“ heißt die Kollektion des süddeutschen Schmuckunternehmens Scheffel, zu  welcher der Ring „Grumette“ gehört. Hier treffen drei edle Materialien aufeinander und vereinen sich zu einer stimmigen Komposition: Feinweiße Brillanten sind in Weißgold gefasst und verbinden sich mit einer gelbgoldenen Schlaufe.

www.scheffel-schmuck.de

Noën

„Made in Germany“ sind die Schmuckkollektionen der Manufaktur Noën. Das Inhaberpaar Claudia und Malte Schindler führt das Unternehmen seit zehn Jahren und ist stolz darauf, seinen Schmuck in Pforzheim fertigen zu lassen. Hier wird nicht nur traditionelles Goldschmiedehandwerk mit modernster Technik in Einklang gebracht, sondern durch die Verwendung von zertifiziertem Fairtrade-Gold auch die Wertschätzung von Umwelt und Mensch erreicht. Natürliche Formen, verspielte Elemente und zugleich klares Design sind die prägenden Attribute der Noën-Kollektionen.

www.noen.de

Fotos: Pegg y Picture

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