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Was bedeutet der Goldbann?

Die sieben führenden Industrienationen haben sich darauf verständigt, kein Gold aus Russland mehr importieren zu wollen. Auf den ersten Blick sollte die Feinunze davon eigentlich profitieren. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail.

Für US-Präsident Joe Biden ist die Sache klar: Mit einem Importverbot von russischem Gold würde das Land ein wichtiges Exportgut verlieren, dass bisher Milliarden Dollar einbringt. Noch sind die neuen Sanktionsmaßnahmen aber nicht beschlossen. So müssen neben Deutschland, Frankreich und Italien auch die übrigen 24 Mitgliedsländer der EU zustimmen. Doch selbst wenn das Importverbot grünes Licht erhält und umgesetzt wird, sollten sich Gold-Anleger nicht zu früh freuen.

Zweifelsohne zählt Russland bei Gold wie auch zahlreichen anderen Rohstoffen zu den wichtigsten Förderländern. Im vergangenen Jahr war es mit einer Minenproduktion von 330 Tonnen hinter China der zweitgrößte Goldproduzent der Welt. Die daraus erzielten Erlöse fallen aber vergleichsweise gering aus. Denn nur ein kleiner Teil der russischen Goldproduktion geht Analysten zufolge in den Westen, der Großteil verbleibt im Land.

Gold-Handel bereits eingeschränkt

Zudem kann Gold recht einfach eingeschmolzen und in Barren, Münzen oder jede beliebige Form gegossen werden. Solange eine Kennzeichnung fehlt, ist ein Weiterverkauf des Edelmetalls über Drittländer wie China und Indien auch in die G7-Staaten fast problemlos möglich. Das Importverbot von physischem Gold ist daher reine Symbolpolitik. Ohnehin ist der Handel bereits deutlich eingeschränkt. So sind die sechs großen russischen Förderer seit März von der London Bullion Markt Association (LBMA) und damit dem wichtigsten Rohstoffhandelsplatz ausgeschlossen. Wenig überraschend reagierte daher die Feinunze auch kaum auf die Pläne der G7. Entscheidend für den Preis bleibt ohnehin die Entwicklung von Zinsen und Inflation. Die in den vergangenen Monaten sprunghaft gestiegene Teuerung hat die Notenbanken unter Druck gesetzt und zwingt die Währungsgüter rund um den Globus zu einer immer schärferen Geldpolitik. Wichtig ist daher die Frage, wie lange die Inflation noch steigen wird. Bereits seit einigen Wochen verlieren Industriemetalle an Wert und auch die Ölpreise scheiterten zuletzt am Jahreshoch.

Starker Basiseffekt bremst Inflationsrate

Vorauslaufende Signalgeber wie die Breakeven-Inflationsrate, die sich aus der Differenz der nominalen US-Rendite minus der Rendite für inflationsgeschützte Anleihen berechnet lässt, fällt bereits seit Ende März. Zudem läuft die US-Inflationsrate im Vorjahresvergleich gegen einen hohen Basiseffekt, da die Teuerung bereits 2021 deutlich angesprungen ist. Auch die sich abzeichnende wirtschaftliche Abkühlung dürfte dazu führen, dass die Preise eher fallen.

Sollte die Inflation ihren Zenit überschritten haben oder bald erreichen, müssten auch die Notenbanken nicht mehr so kräftig die Leitzinsen anheben. Da am Markt weitere große Schritte bereits eingepreist sind, wäre eine ruhigere Gangart positiv für Gold, da es keine Zinsen abwirft. Aus technischer Sicht zeichnet sich bisher aber keine neue Rally-Phase ab. Zuletzt pendelte die Feinunze um die seitwärts laufende 200-Tage-Linie und bestätigte das Bild einer anhaltenden Konsolidierung. Erst oberhalb des jüngsten Hochs bei 1.875 Dollar könnte wieder ein stärkerer Impuls einsetzen, der Gold über 1.900 Dollar führen könnte.

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