Das Magazin für Schmuck und Uhren

Werkstatt

| Werkstatt

In Memoriam Wilfried Moll

In Memoriam

Bereits am 9. Juni 2020 ist Wilfried Moll im Alter von 80 Jahren in Travemünde überraschend gestorben. Er war der wohl renommierteste und bekannteste Silberschmied Deutschlands.

Auf der Werkbank steht noch eine unvollendete Silberkanne, die er für eine Ausstellung mit Robbe & Berking vorbereitet hatte. Wilfried Moll, in Hamburg geboren absolvierte mitten im Wirtschaftswunder der 1950er Jahre seine Goldschmiedelehre, seine Gesellenjahre verbrachte er in Kopenhagen. Anschließend studierte Moll an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg - er war Meisterschüler von Andreas Moritz. Nach dem Diplom unternahm er Wanderungen in Frankreich, in der Schweiz, in Italien, in Skandinavien und England, bevor er sich als freischaffender Künstler mit seiner Frau, der Goldschmiedin Gerda Moll, selbstständig machte. Mit großem Erfolg: Er konzentrierte sich fortan vor allem auf Tafelsilber und -gerät - seine Frau hatte sich dem Schmuck verschrieben. Seine Formensprache war minimalistisch, klar und funktional. Die Liebe zum Bauhaus und zum skandinavischen Design war unverkennbar. Schnell errang er mit seinen Werken auch international Anerkennung. Ausstellungen und Workshops führten ihn nach Australien, China und Japan. Er gewann zahlreiche Auszeichnungen, wie den Justus Brinkmann-Preis, Hamburg; Staatspreis der Freien und Hansestadt Hamburg; Design-plus-Preis, Frankfurt a. M.; Bayerischer Staatspreis; "Jahres Besteck" der Niederlande; Karl Gustav Hansen-Preis, Dänemark. Auch seine Besteckentwürfe für die traditionsreiche Flensburger Silberschmiede Robbe & Berking fanden große Anerkennung, die Linie Alta wurde sogar vom New Yorker Moma angekauft. Moll war zudem bis zu seinem Tod Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg AdK. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in seinem Atelier in Travemünde. Die Branche wird den Ausnahmekünstler vermissen.

 

Zurück