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Uhren

Die „Clifton“ von Baume & Mercier hat nun ein neues Manufakturwerk mit Automatikaufzug

Salut Salon

SIHH

Das Uhrenjahr 2018 hat einiges zu bieten: Die Vielzahl neuer Kreationen und Konstruktionen beim Genfer Uhrensalon SIHH zeigt die Richtung – und welche Trends im Kommen sind.

Die Kreativität der großen Uhrenmarken läuft auf Hochtouren, wie man beim Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf erleben konnte. Die hier ausstellenden Luxushäuser – allen voran die großen Marken des Richemont-Konzerns – wissen, dass sie etwas bieten müssen. Und das beschränkt sich beileibe nicht nur auf die Produkte, sondern gilt auch hinsichtlich eines luxuriösen Ambientes. Damit umgeben sich die Unternehmen selbst während der Messe. Etwa SIHH-Debütant Hermès, welcher der Baselworld den Rücken gekehrt hat und nun seine Premiere in Genf absolvierte. Dort empfing man die Besucher in einem unaufgeregt-exquisiten Ambiente, ergänzt von einer Kunstinstallation. Typisch Hermès eben – wie auch die neuen Uhren, die den Designcodes des Hauses folgen.

Über Geschäfte wurde bei den Präsentationen der Neuheiten kaum gesprochen. Lediglich bei Audemars Piguet freute sich CEO François-Henry Bennahmias lautstark über zweistelliges Wachstum in 2017, das vor allem auf Verkäufe in den eigenen Boutiquen zurückzuführen sei. Und bei Baume & Mercier gab sich CEO Alain Zimmermann überaus zufrieden. Denn nach seinen Aussagen kommt die wichtigste Neuerung des Hauses bei den Konzessionären überaus gut an – eine Neuheit, die einen der Trends belegt: Manufakturwerke, also selbst konstruierte und gefertigte mechanische Uhrwerke, scheinen sich beim Käufer ungebrochen hoher Wertschätzung zu erfreuen. Für die Marken auf dem SIHH ist diese Kompetenz fast eine Selbstverständlichkeit. Nun schließt Baume & Mercier auf und präsentiert ein eigenes Uhrwerk, konstruiert mit Unterstützung des Mutterkonzerns Richemont. Das Kaliber mit Namen „Baumatic BM12-1975A“ gibt sich besonders nutzerfreundlich: Es widersteht Magnetfeldern, bietet eine ausdauernde Gangreserve von rund 120 Stunden, Chronometer-genaue Präzision und erlaubt verlängerte Serviceintervalle. Zum Einsatz kommt es in der Linie „Clifton“ mit gewohnt klassischer, zeitloser Gestaltung und bietet mit einem Preis ab 2450 Euro Manufakturqualität zu einem interessanten Tarif.

Das Uhrwerk der „RM 53-01 Tourbillon Pablo Mac Donough“ von Richard Mille ist an Kabeln aufgehängt, das doppelte Saphirglas verklebt. Dadurch ist die Uhr so robust, dass sie sogar beim Polospielen getragen werden kann.
Neu von der Chronométrie Ferdinand Berthoud: „FB-1R.6-1“ mit Regulator-Anzeige in einem gehärteten Edel- stahlgehäuse. Im Uhrwerk findet Kraftübertragung durch eine Kette samt Schnecke statt

Beeindruckende Weltrekorde

Während es bei den einen um grundlegende Tugenden mechanischer Werke geht, überbieten sich andere Marken mit immer ausgefalleneren Konstruktionen. Bei Piaget steht bereits seit Jahren das Thema „ultraflach“ im Mittelpunkt, das nun um ein neues Kapitel erweitert wird. Mit der „Altiplano Ultimate Concept“ gelang der Manufaktur die flachste mechanische Uhr der Welt, deren Gehäuse nur zwei Millimeter hoch ist. Möglich wurde dies, indem Teile des Uhrwerks auf der Ebene des Zifferblatts arbeiten, was für reizvolle Ansichten sorgt und sowohl die Zugfeder als auch die Unruh sichtbar macht. Zugleich dient das Gehäuse als Werkplatte, was weitere wichtige Zehntelmillimeter spart. Ein Beitrag zum gleichen Thema kommt von Audemars Piguet: Die Manufaktur stellte den ultraflachen Ewigen Kalender „Royal Oak RD #2“ mit dem neuen Kaliber 5133 vor – mit einer Gehäusehöhe von 2,89 Millimetern ebenfalls ein Weltrekord.

Solch eine sensationelle Uhrmacherkunst ist beim SIHH bei zahlreichen Ausstellern zu erleben. So ist Greubel Forsey mit der „GMT Earth“ wieder ein außergewöhnliches Objekt gelungen. Auf der Uhr zeigt sich eine vollständige und dreidimensionale Sicht auf den Globus vom Nord- bis zum Südpol. Die Erdkugel ist in einer Auskragung des Gehäuses untergebracht. Das Modell kann drei Zeitzonen gleichzeitig anzeigen und bietet für Uhrenliebhaber ein Tourbillon 24 Secondes, das sich ebenfalls vom Zifferblatt her den Blicken darbietet.

Weitere komplexe Höhepunkte mechanischer Haute Horlogerie präsentierten sich im Carrée des Horlogers. Diesen Messebereich gab es bereits zum dritten Mal mit einer kompakten Ausstellungsfläche für „künstlerisch-kreative und unabhängige Werkstätten“, wie es vom Messeveranstalter heißt. Die Namen dieser Aussteller, etwa Ressence, Hautelence oder Romain Jerome – sind vor allem eingefleischten Uhrenfans ein Begriff, da sie ihre ausgefallenen Kreationen in kleinen Stückzahlen fertigen. Insgesamt 17 Marken präsentierten sich in diesem Areal. Unter ihnen die Chronométrie Ferdinand Berthoud, hinter der Chopard-Präsident Karl-Friedrich Scheufele steht. Die junge Marke, die sich auf einen historischen Uhrmacher bezieht, zeigte beim SIHH eine neue Version des Chronometers „FB-1R.6-1“ mit Regulator-Anzeige in einem gehärteten Edelstahlgehäuse. Die moderne Optik der Uhr geht mit einem hochkomplexen Uhrwerk einher, das mit einem Tourbillon ausgestattet ist und in dem Kraftübertragung durch die Verbindung von Kette und Schnecke stattfindet. Seitliche Gehäusefenster lassen einen Blick auf diese ungewöhnliche Konstruktion zu.

Garant für ausgefallene Mechanik ist auch Richard Mille, seit Jahren fester Bestandteil des SIHH. Highlight der diesjährigen Messe ist eine robuste Uhr mit Tourbillon, die so widerstandsfähig ist, dass sie sogar beim Polospielen getragen werden kann. Um den harten Stößen beim Sport widerstehen zu können, ist das Uhrwerk der „RM 53-01 Tourbillon Pablo Mac Donough“ – benannt nach einem populären Polospieler – an Kabeln aufgehängt. Diese Stahlkabel sind in das Gehäuse eingespannt und balancieren den gesamten Mechanismus aus, was das komplizierte Uhrwerk vor Stößen schützt. Weiteren Schutz bieten das Carbongehäuse sowie das Uhrglas, das aus zwei Saphirglasscheiben besteht – ähnlich wie Verbundglas bei Autos. Diese Scheiben sind durch einen dünnen Polyvinylfilm miteinander verbunden, der verhindert, dass das Uhrglas brechen könnte.

Die „GMT Earth“ von Greubel Forsey mit dreidimensionalem Globus und Tourbillon. Das Modell kann drei Zeitzonen zugleich anzeigen
Montblanc feierte das 160-jährige Jubiläum von Minerva mit der „1858 Collection“. Zu dieser gehört der „1858 Monopusher Chronograph“ mit Minerva-Kaliber

Ausgeklügelte Wechselsysteme

Während sich einerseits Uhrmacher mit kreativen Ideen und anspruchsvollen Konstruktionen überbieten, zeigen sich andererseits auch gestalterische Trends. Da wäre etwa ein neues Blau zu nennen: Als edle, gesetzte Variante bestimmt diese Nuance seit einigen Jahren die Kollektionen zahlreicher Uhrenmarken. Nun kommt eine neue Farbschattierung hinzu – ein helleres, leuchtendes Blau, das auffälliger ist. Eine weitere Farbvariation entdeckt man bei H. Moser & Cie. Deren „Endeavour“-Tourbillon trägt ein schimmerndes Zifferblatt – einen Stil, den man bei H. Moser Fumé-Zifferblatt nennt. Es präsentiert Farbe mit Tiefenwirkung und setzt eine Uhr effektvoll in Szene. Zumal H. Moser außer dem Ausschnitt für das Tourbillon auf Logo und Indizes verzichtet, sodass die Farbe ihren großen Auftritt hat.

Auffällig war auch, dass gleich mehrere Marken neue Systeme für schnelle und unkomplizierte Bandwechsel vorstellten. Derartiges ist neu bei Panerai, Piaget und Cartier sowie in der Kollektion von Baume & Mercier und Vacheron Constantin zu finden. Cartier hat sogar ein neues System entwickelt, mit dem Metallbänder selber und ohne Werkzeug um Glieder gekürzt werden können. Damit scheint man den Online-Kunden ansprechen zu wollen, der seine Uhr damit selbst passgenau machen kann.

Bei Panerai will man mit dem neuen Bandwechselsystem vor allem Frauen ansprechen – zumal man mit der neuen „Luminor Due“ mit 38 Millimeter großem Gehäuse eine perfekte Größe für Damenhandgelenke anbietet. Das ist gut gelungen, denn die Proportionen des Modells mit dem automatischen Panerai-Manufakturwerk sind zierlich und dennoch typisch für das Haus.

Die „Luminor Due“ von Panerai mit automatischem Panerai-Manufakturwerk passt mit ihrem 38 Millimeter großen Gehäuse perfekt an Damenhandgelenke
Die „Endeavour“-Tourbillon von H. Moser & Cie. mit blau schimmerndem Fumé-Zifferblatt ganz ohne Anzeigen. Ein Ausschnitt gibt den Blick auf das Tourbillon des Automatikwerks frei

Gelungene Wiederbelebungen

Neben der Präsentation von Neuheiten wird beim SIHH gern gefeiert: IWC beging sein 150-Jähriges, Montblanc feierte das Jubiläum von Minerva. Die historische Marke wurde bei Montblanc eingegliedert und das traditionelle Wissen der Manufaktur für die Komplikationen des Hauses eingesetzt. Da diese Historie alle Kollektionen von Montblanc beeinflusst, wird das 160-jährige Bestehen von Minerva nun mit der neuen „1858 Collection“ gefeiert, die sich stilistisch an Profiuhren der 20er- und 30er-Jahre von Minerva anlehnt und robuste Uhren für vielerlei Aktivitäten umfasst, darunter den „1858 Monopusher Chronograph“ in einer limitierten Edition, ausgestattet mit einem Minerva-Kaliber.

Solch gelungene Wiederbelebungen machen Freude. Überhaupt gibt es beim SIHH immer wieder besondere Momente – wenn man von einer neuen Kreation fasziniert und bezaubert ist. Garant für diese Emotionen ist Van Cleef & Arpels – und auch in diesem Jahr enttäuschte die Marke nicht. Sie präsentierte eine neue Version ihres Planetariums. Erneut in Zusammenarbeit mit Christiaan van der Klaauw entstand eine mechanische Uhr, die in Echtzeit das Kreisen von Erde und Planeten rund um die Sonne abbildet. Neu ist auf dem Zifferblatt nun auch der Mond, der um die Erde rotiert. Dieses faszinierende Schauspiel findet vor einem Aventurin-Hintergrund statt, als passende Kulisse für die neue Damenuhr

Ein weiteres Highlight zeigte Cartier: Die neue Handaufzugsuhr „Revelation d’une Panthère“ trägt einen Pantherkopf auf dem Zifferblatt, der wie durch Magie mal erscheint und mal verschwindet. Das Geheimnis sind kleine Goldkügelchen, die wie bei einer Sanduhr über das Zifferblatt schweben und dabei das Motiv bilden. Ein Schauspiel, das für all das steht, was den SIHH so besonders macht – die Passion, welche die Haute Horlogerie immer begleitet.

 

Der Pantherkopf auf der Handaufzugsuhr „Revelation d’une Panthère“ von Cartier erscheint und verschwindet, wenn Goldkügelchen über das Zifferblatt schweben
Das „Planetarium“ von Van Cleef & Arpels bildet in Echtzeit das Kreisen von Erde mit Mond sowie Planeten rund um die Sonne ab – gesteuert von einem mechanischen Uhrwerk

Text Iris Wimmer-Olbort

www.sihh.org

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