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Uhren

Fotos: Martin Glauner, Collage: Daniel Eltner

Ein polykreativer Kosmos

Walter Gropius

Die neue Uhrenmarke Walter Gropius weckt durch ihren Namen hohe Erwartungen ans Design. Fünf Fragen an den Gestalter der Uhren, den mehrfach ausgezeichneten Designer Daniel Eltner.

GZ: Wie intensiv haben Sie sich für die Entwürfe mit dem Schaffen des Architekten und Bauhaus-Gründers Walter Gropius beschäftigt?

Daniel Eltner: Ich habe mich schon vor knapp 30 Jahren mit dem Bauhaus beschäftigt und damals, nach der Wende, das von Gropius entworfene Bauhaus-Gebäude in Dessau besucht. Tatsächlich stellte ich mir in der Entwurfsphase die freche Frage, wie Walter Gropius eine Uhr gestaltet hätte. Seinen Gestaltungsstil nachzuahmen, war aber nicht der Anspruch, das wäre auch vermessen.

Sondern?

Hinter dem Design stehen viele Gedanken und mehrere Handlungsstränge. Das Markensignet auf der Krone bedeutet „Perspektive in Raum und Zeit“. Es geht um Freiräume, darum, nicht das Opfer eines Hightech-Geräts am Handgelenk zu werden. Die Uhren sollen dazu anregen, die Zeit bewusst wahrzunehmen und bewusst zu gestalten.

 

Walter Gropius ist eine Marke der Firma Watchpeople. Die Uhren werden Anfang September ausgeliefert, individuelle Sortimente können ab sofort zusammengestellt und geordert werden

Wie haben Sie das Motto „Perspektive in Raum und Zeit“ formal umgesetzt?

Die Gestaltung bezieht sich aufs Bauhaus-Gebäude sowie auf Werke von Bauhaus-Schülern und Dozenten. Das runde Uhrgehäuse ohne Stege ist sozusagen das fiktive Gebäude. Seitlich betrachtet erkennt man die „runde Ecke“, ein berühmtes Bauhaus-Momentum. Im Innern ist Raum für die Gewerke, also Architektur, Malerei, Fotografie et cetera.

Welche Elemente sind außerdem typisch?

Poppige Farben, basierend auf den Grundfarben Blau, Gelb und Rot, farbige Zeiger sowie grafische Zifferblätter, die aus Analogien entstanden. Sie nehmen beispielsweise Bezug auf die Bilder des Fotografen László Moholy-Nagy oder „persiflieren“ die Farb- und Harmonielehre des Malers Josef Albers.

Das heißt, die Uhren haben auch etwas Experimentelles oder Ironisches?

Absolut. Ich will das Spielerische am Bauhaus sichtbar machen, wie es meiner Ansicht nach der Memphis-Gruppe gelang, die den Bauhaus-Gedanken wieder lebendig machte. Aus der strengen Gestaltungslehre „form follows function“ wurde „form follows fantasy & fiction“. Die Uhren zeigen den polykreativen Kosmos des Bauhaus. Unter dieser Philosophie entsteht vieles, Funktionalität und Ironie, Vision, Surrealismus, Fantasie.

Text: Saraj Morath

www.waltergropius.design

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