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Vacheron Constantin: „Referenz 57260“

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Die neuen Luxus-Formate

SIHH

Mit verhaltenem Optimismus präsentierten in Genf beim Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) die noblen Marken der Richemont-Gruppe und befreundete Häuser ihre Neuheiten. Im Fokus: Hochkompliziertes und Bewährtes.


Der Uhrensalon in Genf hat seinem Ruf einmal mehr Ehre gemacht: Das cremefarbene Interieur auf den Gängen vermittelte die Atmosphäre dis­kreter Eleganz, während sich in den Auslagen entdecken ließ, was die Uhrenkunden in den kommenden Monaten bewegen wird und zum Kauf verlocken soll. Dabei setzen die Marken, die aus den Reihen des Richemont-Konzerns stammen und zu denen sich ausgewählte Kollegen gesellen, auf Hochkompliziertes und Bewährtes. Heißt: Bekannte und erfolgreiche Kollektionen werden erweitert oder ergänzt, zusätzlich brilliert man mit komplexen, faszinierenden Kunstwerke der Haute Horlogerie.

Zeit zum Staunen

Das spektakulärste Stück ist von Vacheron Constantin. Die traditionsreiche Manufaktur präsentiert erstmals in Europa die komplizierteste Uhr, die je in ihren Ateliers entstanden ist: Die Taschenuhr „Referenz 57260“, die auf Bestellung eines Kunden von drei Uhr­machern gefertigt wurde. Acht Jahre lang arbeiteten die Meister ihres Fachs daran, staunenswerte 57 Komplikationen zwischen den beiden Zifferblättern auf Vorder- und Rückseite der Taschenuhr in einem Uhrwerk zu vereinen. Zu diesen Komplikationen zählen unter anderem diverse Kalenderanzeigen sowie ein doppelter retrograder Schleppzeiger-Chronograph, den es in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat. Die Neuheit für ­„normale“ Uhrenkäufer setzt eine bereits wohlbekannte Kollektion des Hauses in ein neues Licht: Die „Overseas“ wurde überarbeitet und mit fünf neuen Modellen neu lanciert, für die sogar drei neue Uhrwerkkaliber mitentwickelt wurden. Neben schlichten Dreizeigeruhren mit oder ohne Datum umfasst die Kollektion auch Chronographen, einen Ewigen Kalender sowie extraflache Modelle.

Bewährtes und Hochkompliziertes zeigt auch Audemars Piguet. Wie erwartet setzt die Manufaktur weiterhin auf die „Royal Oak“ in zahlreichen neuen Varianten; Highlight ist die „Royal Oak Double Balance Wheel Openworked“ mit einem neuen, skelettierten Uhrwerk, das zugunsten besserer Gangstabilität mit zwei Unruhspiralen und zwei Unruhreifen auf einer Achse konstruiert wurde. Eine weitere Neuheit der Haute Horlogerie ist die nun in Serie gehende „Royal Oak Concept Supersonnerie“, eine dank ­neuen Aufbaus besonders laut und schön klingende Minutenrepetition. Für diese ­wurden sogar drei neue Patente angemeldet, ­welche die Herstellung der Tonfedern, den Gehäuseaufbau mit einem separaten Resonanzboden sowie einen neu konstruierten Geschwindigkeitsregler betreffen.

Faszinierend sind auch die Neuheiten bei ­Parmigiani: Die vor genau 20 Jahren von Uhrmacher und restaurator Michel Par­mi­giani gegründete, überaus sympathische ­Marke lanciert zum Jubiläum den „Tonda Chronor Anniversaire“ – das erste Uhrwerk des Hauses mit integriertem Chronographen. Das heißt, dass die Chronographenfunktionen nicht in einem aufgesetzten, separaten Modul gesteuert werden, sondern voll in das Uhrwerk integriert sind, was überaus anspruchsvoll ist. Neben diesen technischen ­Herausforderungen hat Parmigiani auch eine ästhetische bestanden: Das wunderschön anzusehende Uhrwerk der Jubiläumsuhr ist komplett aus Gold gefertigt und bietet neben dem Schleppzeiger-Chronographen ein Großdatum. Während das Jubiläumsmodell die Tradition der Haute Horlogerie ­hochleben lässt, wirft Parmigiani mit einer weiteren Neuheit einen Blick in die Zukunft: mit dem ­mechanischen Uhrwerk „Senfine“, das über eine Gangautonomie von 45 Tagen verfügt. Dies verdankt es einem neuen Regulierorgan, das ein reibungsloses elastisches System darstellt und mit dem Aufbau einer herkömm­lichen Hemmung nicht zu vergleichen ist. Sechs Jahre Forschung stecken bereits in diesem Projekt, welches auf einer Idee des Genfer Ingenieurs Pierre Genequand beruht, der in der Raumfahrttechnik tätig ist. „Senfine“ wurde als Konzept beim SIHH präsentiert und arbeitet derzeit ausschließlich in Uhren am Arm von Mitarbeitern. Das Projekt soll in diesem Jahr entscheidend voranschreiten, um laut Parmigiani eine noch längere Gangautonomie und die Serienreife zu erreichen.

Mit einer Vielzahl an Neuheiten trat IWC am SIHH auf – im Mittelpunkt dabei Fliegeruhren, ganz in der Tradition von Uhrenlegenden des Hauses. Mit den zahlreichen Modellen der neuen, eleganter gewordenen „Pilot’s Watches“-Kollektion hat die Marke die Bandbreite im Einstiegssegment erweitert – dafür stehen die „Pilot’s Watch Automatic 36“ sowie die „Pilot’s Watch Mark XVIII“; zudem werden innovative Komplikationen geboten. Zu diesen zählen der „Timezoner“ und die „Big Pilot’s Watch Annual Calendar Edition Le Petit Prince“, ein Jahreskalender mit Anzeige von Datum, Wochentag und Monat. Die auf 250 Stück limitierte Sonderedition verzaubert beim Blick auf die Rückseite: Der Rotor nach einer Zeichnung von Antoine de Saint-Exupéry stellt dessen „Kleinen Prinz“ dar, der auf einem Asteroiden steht.

Jubiläum einer Ikone

Eine Ikone des Hauses steht auch bei Jaeger-LeCoultre im Mittelpunkt: Zum 85-jährigen Bestehen der „Reverso“, der klassischen Wendeuhr, gibt es eine Vielzahl neuer Varianten und Modelle. Sie gliedern sich in die drei ­Linien „Reverso Classic“, „Reverso Tribute“ und „Reverso One“, in denen sowohl Kom­plikationen als auch feminine fantastische Kreationen zu finden sind. Das Können der Uhrmacher zeigt sich beispielsweise im ­„Reverso Tribute Calendar“: Auf der einen Seite sind die Kalenderfunktionen mit Mondphasenanzeige dargestellt, auf der anderen zeigt sich ein weiteres Zifferblatt mit Tag-Nacht-Anzeige, das sich als zweite Zeitzone nutzen lässt. Gesteuert werden die Anzeigen durch ein Handaufzugswerk, eingeschalt in ein Rotgoldgehäuse.

Fans der Marke A. Lange & Söhne schätzen die „Datograph“-Modelle, die für höchste Uhrmacherkunst stehen. Neu in dieser Riege ist der „Datograph Perpetual Tourbillon“ – ein Flyback-Chronograph mit Ewigem Kalender und Tourbillon, in dem besagte drei Komplikationen mit fünf Zusatzfunktionen vereint sind. Diese hochkomplexen Mechanismen finden nicht nur im Inneren zusammen, sondern zeigen sich auch in einem schlüssigen Design. Auf dem schwarzen Zifferblatt stellen sich Großdatum und Datumsanzeigen sowie Chronographenfunktionen perfekt ablesbar dar. Die Platinuhr ist auf 100 Stück limitiert.

Kaliber und Kunst

Optisch ganz auf Linie bleibt auch Panerai mit den Neuheiten, für die zwei neue eigene Kaliber entwickelt wurden, die in der „Radiomir 1940 3 Days GMT Automatic“ sowie in der „Radiomir 1940 3 Days GMT Power Reserve Automatic“ ihre Arbeit verrichten. Die Werke basieren auf einem Automatikkaliber der Marke und bieten dessen bekannte technische Merkmale wie einen Mikrorotor sowie zwei hintereinander geschaltete Federhäuser. Zum Einsatz kommen sie in dem charakte­ristischen Radiomir-Gehäuse in Verbindung mit Zifferblättern, die mit „Clous de Paris“-Dekor oder vertikalen Reliefstreifen versehen sind, was modern und ausdrucksvoll wirkt.

Mit einer breiten Palette an Neuheiten tritt auch Montblanc auf, darunter erschwing­liche Mechanik ebenso wie feines Kunsthandwerk und anspruchsvolle Komplikationen. Ein Highlight ist die „4810 Collection“, die unter anderem drei eigene Uhrwerke und Komplikationen wie Tourbillon, Twin-Fly- Chronograph und World Timer umfasst. Im „Exo Tourbillon Slim“ ist das durch eine auffällige Brücke in Szene gesetzte Tourbillon mit einer schnellen Stoppsekundenfunktion kombiniert. Merkmale des Uhrwerks sind unter anderem ein Aufzug durch einen Mi­kro­rotor sowie 50 Stunden Gangautonomie, während das Zifferblatt durch seine Zwei­teilung auffällt. Die obere Hälfte trägt das guillochierte Montblanc-Emblem, die untere ist mit Genfer Streifen dekoriert.

Eine kleine, jedoch für ihre Innovationskraft überaus angesehene Uhrenmarke ist Greubel Forsey. 2004 von Robert Greubel und Stephen Forsey gegründet, stellt man heute mit hundert Mitarbeitern gerade mal hundert Uhren pro Jahr her. Neu für 2016 ist das Signature-Projekt, bei dem künftig stets ein Uhrmachertalent eingebunden wird. Die erste Ausgabe wurde gemeinsam mit Didier J. G. Cretin realisiert und bietet die erste Dreizeiger-Handaufzugsuhr der Marke in Ver­bindung mit betont dreidimensionaler ­Werkarchitektur und dem exklusiven Hemmungssystem von Greubel Forsey. „Signature 1“ ist auch die erste Uhr, die neben Varianten in Weißgold, Rotgold und Platin zusätzlich in Edelstahl erhältlich sein wird. Das macht das Ganze aber nicht unbedingt erschwinglicher: Die „Signature 1“ wird auf jeden Fall einen sechsstelligen Betrag kosten.

Neben klassischer Uhrmacherkunst und traditionellem Design präsentierte auch ­Richard Mille auf dem SIHH seine Kreationen, die avantgardistisch und technikbetont sind. Im Mittelpunkt der Neuheiten steht der „RM 50-02 ACJ Tourbillon Split Seconds Chronograph“, der seine Inspiration aus der Luftfahrt und dem Flugzeugbau bezieht. Denn für die Uhr hat sich Richard Mille mit Airbus Corporate Jets (ACJ) zusammengetan, was sich an Materialien und Werkarchitektur eines neuen Kalibers mit Schleppzeiger-Chronograph und Tourbillon zeigt. Auch das Uhrgehäuse ist von der Luftfahrt inspiriert: Es besteht aus einer Titan-Aluminium-Legierung mit Keramiklünette, in der Form einem Flugzeugfenster nachempfunden. Der ungewöhnliche Zeitmesser ist auf 30 Stück limitiert.

Neues für den Mann

Mit einer breiten Vielfalt an Neuheiten überzeugte beim SIHH das Traditionshaus ­Cartier. Wie immer im Portfolio: berauschend schöne Schmuckuhren, die mit perfekter Handwerkskunst und üppigem Besatz mit Edelsteinen bezaubern. Dank Uhrmacher-Chefin Carole Forestier-Kasapi darf man auch regelmäßig spektakuläre Mechanik erwarten – in diesem Jahr erfüllt durch die Uhr „Rotonde de Cartier Astromystérieux“, bei der Werkteile wie Hemmung, Unruh, Getriebe und Federhaus in einer Linie entlang des Minutenzeigers angeordnet sind und ge­meinsam mit dem Zeiger um das Zifferblatt rotieren. Dies geschieht scheinbar schwebend, also ohne sichtbare Verbindung mit dem übrigen Mechanismus. Im Mittelpunkt steht für Cartier allerdings eine komplett neue Kollektion an Herrenuhren: „Drive de ­Cartier“, eine optisch sehr gelungene Linie mit kissenförmigem Gehäuse und charakteristischem Cartier-Zifferblatt. Zum Auftakt der neuen Kollektion bietet Cartier die Modelle mit Rotgold- oder Edelstahlgehäuse ­sowie mit schwarzem, grauem oder weißem guillochiertem Zifferblatt. Innen arbeitet ein Manufakturwerk, das in zwei Versionen erhältlich ist – als Dreizeigeruhr mit Datum sowie als Variante mit zweiter Zeitzone, Tag-/Nacht-Anzeige und Großdatum. Zudem gibt es eine Haute-Horlogerie-Version mit fliegendem Tourbillon in einem Handaufzugswerk.

Im Gegensatz dazu stellt Roger Dubuis die Kollektion für Frauen in den Mittelpunkt. Bislang bekannt für markante und avantgardistische Mechanikuhren, will die Genfer Marke nun die weiblichen Handgelenke erobern. Daher steht die Kollektion „Velvet“ im Mittelpunkt: eine Uhr mit charakteristischer Verbindung zwischen Gehäuse und Band, häufig mit Diamanten und Farbsteinen inszeniert. So auch die Neuheiten, in denen zum Beispiel aus Edelsteinen geschnitzte Blumen das Zifferblatt zieren. Modernen Luxus zeigt die Variante „Velvet by Massaro“, die in Zusammenarbeit mit dem Pariser Schuhdesigner entstand und mit einem goldglänzenden Armband aus plissiertem Leder die Blicke auf sich zieht. Es trägt das für die „Velvet“-Kollektion typische tonneauförmige Gehäuse aus Weißgold, mit Diamanten besetzt. Innen arbeitet natürlich ein mechanisches Manufakturwerk – ein Automatikkaliber, das wie alle Werke des Hauses das Genfer Siegel trägt.

Automatik für Frauen

Auch Piaget bietet überzeugende Mechanik für Frauen: Speziell für Damenuhren wurde ein neues Automatikwerk mit besonders präziser Mondphasenanzeige entwickelt, in Szene gesetzt in der „Limelight Stella“. Deren Gehäuse besitzt die unverkennbare Eleganz von Piaget und spielt mit Oval und Kreis. Ausgeführt ist es in Weißgold oder Roségold und in mehreren Varianten mit Brillanten oder Baguette-Diamanten erhältlich; die ­Spitze stellen zwei luxuriöse Haute-Joaillerie-Modelle dar. Doch auch technisch bemüht sich Piaget um Innovationen und stellt eine Konzeptuhr vor, die mechanische Energie in elektrische umwandelt und mit einem Quarzgenerator arbeitet, was für eine außergewöhn­lich hohe Präzision sorgt. Diese Idee der auf 118 Stück limitierten „Emperador Coussin XL 700P“ ist bekannt, laut Piaget aber in einer neuen Konstruktion umgesetzt.

Baume & Mercier zeigt Neues für Damen und Herren: Während man in die Kollektion „Clifton“ mit einem ­Automatik-Chronographen mit komplettem Kalender in drei Varianten ­erweitert, möchte man Frauen mit der „Petite Promesse“ verzaubern, einer Quarzuhr im ­Miniaturformat, die mit einem doppelt geschlungenen Armband Esprit und Chic verkörpert. Neben Lederbändern besticht hier vor allem ein komfortables Edelstahlband aus polierten Gliedern, das dieser Tragevariante eine neue Anmutung gibt.

Text: Iris Wimmer-Olbort

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