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Alles smart oder was?

Smartwatch

Es soll das Geschäft der nächsten Jahre werden: Experten sagen einen Millionenmarkt für Smartwatches und Fitnesstracker voraus. Auf diesen Zug springen immer mehr Uhrenmarken auf und auch Juweliere zeigen sich zunehmend aufgeschlossen. Aber wie vielversprechend ist der Markt wirklich?


Weltweit 8,1 Millionen verkaufte Smartwatches allein im vierten Quartal 2015 – diese Zahlen veröffentlichte die Bostoner Analysefirma Strategy Analytics im Februar. Weitere Fakten: Laut Digitalverband Bitkom betrug der Durchschnittspreis für Smartwatches im vergangenen Jahr 262 Euro, während Fitnesstracker für durchschnittlich 66 Euro über den Ladentisch gingen. Und die Absatzzahlen werden weiter steigen, sagen Fachleute unisono.

Richtig Fahrt aufgenommen hat der Markt für die smarten Handgelenksbegleiter seit Verkaufsstart der Apple Watch im April 2015. Obwohl das Unternehmen keine Verkaufszahlen veröffentlicht, rechnet man damit, dass Apple sich mit geschätzten zehn bis zwölf Millionen verkauften Geräten aus dem Stand zwei Drittel des Marktes gesichert hat. Wäre Apple ein Schweizer Unternehmen, wäre es angesichts dieser Stückzahlen unter den Top drei der Schweizer Uhrenmarken – ein Vergleich, den Jean-Claude Biver, Chef der Uhrensparte des Konzerns LVMH und zuständig für Tag Heuer, Hublot und Zenith, in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“ zog. Biver hat die Faszination für Smartwatches bereits vorausgesehen, was ihn dazu bewog, im vergangenen Herbst ebenfalls ein Modell von Tag Heuer zu lancieren – mit großem Erfolg. Biver nennt dies den „größten persönlichen Erfolg“ seines Lebens und spricht auch über die Chancen von Konkurrenten: „Marken, deren Portfolio erst ab einem Preissegment von 5000 Franken beginnt, können keine Smartwatch lancieren. ­Zenith, Patek Philippe, Hublot – die würden ihre Marke schädigen, wenn sie eine elektronische Uhr bauten.“ Marken mit einem Preissegment bis 2000 Franken sind laut Jean-Claude Biver hingegen gefährdet, da sie meist nicht die Ressourcen hätten, eine Smartwatch auf den Markt zu bringen. Immerhin hätten die Investitionskosten für die „Tag Heuer Connected“ bei rund 10 Millionen Franken gelegen.

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Einige Marken müssen jetzt aktiv werden

Die schlechten Prognosen für Marken mit günstigeren Produkten kommen auch von anderer Seite. Die „Neue Zürcher Zeitung“ schrieb im März: „Dass die Kannibalisierung in den unteren Preissegmenten und speziell im Quarzbereich stattfindet, steht indessen außer Zweifel. Einen Anhaltspunkt liefert die Exportstatistik der Fédération Horlogère, die zeigt, dass das Preissegment von 200 bis 500 Franken (Preis ab Fabrik) mit einem wertmäßigen Rückgang von 8,7 Prozent im vergangenen Jahr die größten Einbußen verzeichnete.“

Genau diese Marken müssen nun aktiv werden. Viele haben sich bereits auf den Weg gemacht – gezwungenermaßen. So hatte die Fossil-Gruppe, die mit einer Jahresproduktion von 30 Millionen Uhren eine der Branchengrößen im Bereich Fashion-Watches ist, Umsatzeinbußen zu verkraften, was man den ­Wearables anlastete. Grund für eine groß angelegte Produktoffensive: Fossil kooperiert mit Intel und Google und hat seit Herbst 2015 eine Kollektion von Smartwatches und Fitnesstrackern am Markt. Im Laufe des Jahres werden Fossil und verschiedene der Lizenzmarken des Hauses – darunter Emporio Armani, Michael Kors, Skagen und Diesel – insgesamt rund 100 verschiedene Wearables lancieren. Das kommt auch in Deutschland gut an, wie Christian Coenen, Geschäftsführer Fossil Deutschland, sagt: „Bisher übertreffen die Verkäufe unsere Erwartungen.“ Auf den Fachhandel kommen laut Coenen damit neue Möglichkeiten zu. Er sagt: „Es erschließt sich ein ganz neues Geschäftsfeld mit vielen innovativen Produkten. Man darf nicht vergessen, dass dieses Sor­timent auch einen potenziellen Kundenstamm anspricht, der bislang den Weg zum Fachhändler noch nicht gefunden hat.“ Damit dies gelingt, unterstützt Fossil den Fachhändler mit Produktschulungen, Marketingmaßnahmen, Informationsmaterialien und einer Info-Hotline. Dann habe der Fachhandel die Nase vorn, glaubt Coenen: „Fachhandel bedeutet seit jeher Kompetenz und Beratung. Der Bereich der ‚connected accessoires‘ ist deswegen für den Fachhandel geradezu prädestiniert.“

Nicht mit einer Smartwatch, sondern mit einem trendigen Fitnesstracker ist Swarovski seit Februar erfolgreich: „Activity Tracking ­Jewelry“ kann an verschiedenen Armbändern getragen werden und wirkt eher wie ein Schmuckstück. Laut Christoph Storck, Geschäftsführer Swarovski Deutschland, werden weitere Produkte folgen, die es in allen Swa­rovski-Boutiquen sowie im Onlineshop gibt.

Andere Hersteller ziehen ebenfalls nach. Eine wachsende Zahl an Marken hat bereits Smartwatches angekündigt, die noch in diesem Jahr vorgestellt werden sollen.

Dazu zählen Citizen und Tissot; auch bei Elysee sowie Certus beziehungsweise Hector seien Ergänzungen mit Smartwatches angedacht, sagt Reiner Seume, der diese Marken als Geschäftsführer von Elysee Uhren in Deutschland vertreibt. Er weiß allerdings, dass Smartwatches für den Juwelier nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte sein müssen: „Der klassische Uhren-Fachhandel muss sich darüber im Klaren sein, dass er im Wettbewerb mit Elektronikfachhändlern stehen wird. Und die Margen im Elektronik­bereich sind wesentlich geringer.“

Lässt niedrige Marge die Juweliere zögern?

Dennoch gibt es immer mehr Juweliere, die sich auf das neue Thema einstellen. So sagt Christopher Nützel, Geschäftsleiter Einkauf beim Shoppingcenter Dodenhof in Posthausen, das auch Juwelier Dodenhof umfasst: „Wir glauben, dass das Thema Smartwatches oder Connected Watches eine marktbeherrschende Stellung einnehmen wird. Wir überlegen, eine eigene Abteilung dafür zu eröffnen – innerhalb unserer Verkaufsflächen. Noch sind wir aber dabei, uns zu orientieren, eine Strategie zu entwickeln und herauszufinden, welche Produkte wir unseren Kunden bieten könnten. Ein Problem wird eventuell die Kalkulation sein – dass die Marge nicht dem entspricht, was im Uhrenfachhandel sonst üblich ist.“

Juwelier Kolkmeyer in Osnabrück startet laut Dirk Kolkmeyer noch in diesem Monat mit entsprechenden Angeboten. „Denn ich halte dieses Segment für einen Vollsortimenter im Uhrenbereich – wie wir es sind – für unabdingbar. Allerdings muss das Unternehmen hinter dem Produkt stehen und eine gewisse Auswahl und Kompetenz präsentieren“, sagt Kolkmeyer. Roland Kaulfuß sieht die Smartwatches noch am Anfang ihrer Entwicklung. Der Geschäftsführer von Juwelier Krämer aus Köln mit 25 Niederlassungen in Deutschland meint: „Dennoch sollte das Thema nicht unterschätzt werden. Daher werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten demnächst Smartwatches neben unserem angestammten klassischen Uhrenbereich anbieten.“ An eine Verdrängung der mechanischen Uhr glaubt Kaulfuß nicht, wenn es gelinge, den Kunden weiterhin mit der „Faszination der mechanischen Uhr ‚anzustecken‘“. Ein Problem sieht er jedoch „im Bereich der Marge und im Verkaufsprozess. Bezogen auf die deutlich geringeren Margen bei diesen Produkten muss man anmerken, dass das heutige Geschäftsmodell des Juweliers nicht darauf ausgerichtet ist und es wirtschaftlich so ohne Veränderungen nicht dauerhaft funktionieren wird.“

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