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Illustration: Julia Depis

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"Das wird groß!"

CPO

Gebrauchtes mit Garantie: Führende Player der Branche entdecken das Geschäft mit Certified Pre-Owned Watches für sich.

„Occasions“ – ein Wort, das deutsche Fachhändler nicht gerne hören. Zu sehr klingt es nach Ausverkauf oder Grabbeltisch. In den USA aber hat es eine positive Bedeutung, bezeichnet es doch eine gute Gelegenheit für den Kunden – so gut, dass er sie ergreife muss.

Juwelier Tourneau, einer der größten Uhrenhändler Nordamerikas, hat gar eine eigene Abteilung „Occasions“ genannt: den Bereich, in dem der Fachhändler Certified Pre-Owned Watches – kurz CPO – anbietet. Gemeint sind damit revidierte, garantiert echte Uhren aus zweiter Hand, für die der Händler eine Garantie gewährt.

„CPO“ – dieser Begriff elektrisiert derzeit die Uhrenbranche. Denn der Markt für Gebrauchtuhren begibt sich damit auf eine neue Ebene. Bislang wurden diese unter anderem auf Börsen oder Auktionen gehandelt.

Viele Anbieter

Die Bandbreite der Anbieter reicht dabei vom fliegenden Händler bis hin zum seriösen Auktionshaus. Durch den Aufschwung des digitalen Handels verlagerte sich der Gebrauchtuhren-Markt ins Internet. Dort befindet er sich in der Hand von Plattformen wie Chrono24, Chronext, Watchbox, Stockx oder Truefacet. Ihnen hängt allerdings der Ruch des Graumarktes an.

Nun aber lenken große Akteure den Handel mit Secondhand-Zeitmessern in neue Bahnen. Grund ist das immense Volumen, das man diesem Markt zuspricht. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Bain & Company hat der Handel mit gebrauchter Luxusware seit 2015 jedes Jahr um neun Prozent auf zuletzt 22 Milliarden Euro zugelegt; andere Analysten sprechen gar von Wachstumsraten von 30 Prozent. Die größte Käufergruppe seien die sogenannten Millennials, also jene Bevölkerungsgruppe zwischen 20 und Ende 30.

Die Schweizer Handelszeitung“ schreibt von einem „neuen Multi-Milliarden-Markt“: Während die eidgenössischen Uhrenmarken mit ihrer Neuware im Jahr gut 20 Milliarden umsetzen würden, sei der Markt für Gebrauchtuhren etwa zehn- bis 15-mal so groß.

Übernahmen

Das sind Marktchancen, auf die nun auch die Großen aufmerksam werden. Am meisten Aufsehen erregte die Akquise der Uhrenplattform Watchfinder durch den Konzern Richemont, zu dem auch die Marken Jaeger-LeCoultre, IWC, Cartier sowie Vacheron Constantin gehören. Mitte 2018 übernahm Richemont den Occasions-Händler für angeblich 250 Millionen Pfund. Das Unternehmen kombiniert den stationären mit dem Online-Handel: Es führt acht eigene Geschäfte in Großbritannien und unterhält ein eigenes Servicecenter für die Wartung der Uhren. Mittlerweile hat Richemont mit Watchfinder ein Pilotprojekt gestartet. In einer Testphase nimmt die Londoner IWC-Boutique seit dem Frühjahr Uhren von Kunden in Zahlung – sogar von Marken, die gar nicht zum Konzern gehören. Laut IWC gebe es eine „positive Resonanz“. Nun soll dieses Pilotprojekt auch in anderen Ländern durchgeführt werden.

Wie das Geschäft mit Gebrauchtuhren funktioniert, weiß der amerikanische Juwelier Tourneau bereits seit Jahren – ein Wissen, von dem nun Juwelier Bucherer profitiert: Vergangenes Jahr übernahm das Schweizer Unternehmen den amerikanischen Juwelier mit seinen 27 Stores, die in zehn US-Staaten liegen. Laut Forbes ist Tourneau der größte autorisierte Uhrenhändler in den USA und nach eigenen Angaben bietet man die weltweit größte Auswahl an CPO-Uhren.

Es war absehbar, dass Bucherer auch in Europa in den Pre-Owned-Markt einsteigen würde. Und tatsächlich: Bereits im September will das Unternehmen in der Genfer Niederlassung den ersten Verkaufspunkt für CPO-Uhren eröffnen. Damit ist Bucherer allerdings nicht der erste Schweizer Juwelier:

Mitbewerber Les Ambassadeurs war schneller und bietet schon seit Mai in seinem Züricher Geschäft in einer Lounge Uhren aus zweiter Hand an; auch in den Niederlassungen in Genf, Luzern und Lugano gibt es das Angebot bereits. Bei Bucherer verspricht man sich von dem neuen Geschäftszweig einiges, wie Firmenchef und Inhaber Jörg Bucherer der Schweizer „Handelszeitung“ sagte: „Das wird groß, sehr groß.“

Den größten Vorteil erwartet man davon, mit dem Renommee als eingesessener Fachhändler glaubwürdige Zertifikate ausstellen zu können. Dies ist ein Pfund, mit dem auch kleinere Fachhändler wuchern können.

Mehr über den Markt mit Vintage-Uhren erfahren Sie in der Juli-Ausgabe der GU Goldschmiede Zeitung

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