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Foto: Milkos/iStockphoto

Die geheime Macht der Farben

Psychologie

Die Welt ist nicht einfach nur schön bunt. Farben haben eine ungeheure Macht über uns. Sie enthalten Informationen, die unser gesamtes Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen. Das wusste bereits Johann Wolfgang von Goethe.

„Die Erfahrung lehrt uns, dass die einzelnen Farben besondere Gemütsstimmungen geben“, sagte Johann Wolfgang von Goethe vor über 200 Jahren. Beeindruckt von seiner Reise nach Italien, wo er das Blau des Himmels ebenso bewunderte wie die Kunstwerke der italienischen Meister, suchte er systematisch nach Erklärungen für die Kraft der Farben und ihren Einfluss auf unsere Sinne. Zwischen 1808 und 1810 veröffentlichte er dazu mehr als 2000 Seiten. Er schätzte die Bedeutung seiner Farbenlehre für die Nachwelt sogar höher ein als die seiner Dichtkunst. Sein Ansatz war, Farbe aus der Naturerkenntnis heraus zu erklären. Während er in seinen physikalischen Ideen irrte, lag er mit dem Gedanken der Sinnesphysiologie richtig, wie die moderne Wissenschaft mittlerweile weiß. Physik reicht allein nicht aus, um einen Farbeindruck zu beschreiben. Er löst bei uns tief verankerte Gefühle aus, die wiederum Teil unseres evolutionären Erbes darstellen. Farben sind eine Sprache der Natur und das größte Kommunikationssystem der Welt.

Blau ist die Farbe der Ferne und Sehnsucht

Von wegen Blauer Planet – Himmel und Meer sind nur aus der Ferne blau, von Nahem sind sie transparent. Genauso verhält es sich mit den meisten Objekten, die in der Ferne bläulich schimmern. Blau war bis vor 10 000 Jahren für den Menschen schlicht nicht greifbar. Dann fand man im Hindukusch in Afghanistan einen leuchtenden Stein: Lapislazuli, was wörtlich übersetzt „Blau des Himmels“ bedeutet. Endlich konnten irdische Herrscher sich diesen göttlichen Ton aneignen. Der Edelstein war so heiß begehrt, dass sein Preis den des Goldes übertraf. Den Ägyptern gelang es außerdem, aus einer Mischung von Lapis und Kupfersulfat einen blauen Farbstoff zu entwickeln. Blau steht für die friedliche Natur, die Lebewesen keine Probleme bereitet. Der Ton signalisiert Ruhe, Vertrauen, Sicherheit und steht für Treue und Fernweh.

Auch zahlreiche andere Nuancen wirken nachweislich auf Körper und Geist. Diese evolutionär bedingten Einflüsse erklären auch unsere Begeisterung für die Schönheit der Farbedelsteine, welche die gesamte Farbpalette der Natur abdecken.

Grün ist die erste Signalfarbe auf der Erde

Grün ist der älteste Farbeindruck überhaupt. Grün kam in die Welt, als die ersten Pflanzen vor 200 Millionen Jahren auftraten, die mittels Chlorophyll die Lichtenergie der Sonne aufnehmen. Sie verwandeln dabei die energiearmen Verbindungen Kohlendioxid und Wasser in energiereiche Kohlenhydrate. Für die Photosynthese brauchen die Pflanzen nur das blaue und rote Licht, das grüne bringt ihnen nichts und sie spiegeln es einfach zurück. Das ist der Grund, warum Pflanzen eine grüne Farbe haben. Sie bilden auch die Lebensgrundlage des Menschen, denn die Energie, die wir über das Essen zu uns nehmen, hat letztlich einmal eine Pflanze zu Beginn der Nahrungskette aus Sonnenlicht erzeugt. Grün war die erste und überlebenswichtigste Farbe für alle Geschöpfe, denn da, wo es grünte, gab es ausreichend zu essen. Menschen können im Grün die meisten Nuancen unterscheiden. Grün beruhigt. Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen messbar weniger Stresshormone im Blut haben, wenn sie sich zum Beispiel im Wald oder auf einer Wiese befinden. Grün heilt: Es ist auch belegt, dass Patienten schneller genesen, wenn sie in grün gestrichenen Krankenhauszimmern liegen.

Rot ist die Schlüsselfarbe der Evolution

Für den Siegeszug des Homo sapiens war allerdings eine andere Farbe entscheidend: Vor rund 35 Millionen Jahren entstand das magische Rot, als Pflanzen erste Früchte ausbildeten. Die fruchtzuckerreichen Samenträger signalisieren schon aus der Ferne, dass es hier Nahrung gibt. Für zahlreiche Säugetiere ein wichtiger Schlüsselreiz, vor allem aber für Primaten, da die konzentrierte Energie einen Turbo für die Gehirnentwicklung bot. Neurowissenschaftler fanden heraus, dass die Fähigkeit, Rot zu sehen, zu unserer Schlüsselkompetenz wurde. Außerdem spielt die Signalfarbe in der Sexualität eine Rolle, wie zum Beispiel beim Erröten, welches Interesse an dem Gegenüber signalisiert. Rot ist daher die Farbe der Erotik schlechthin. Rot erregt uns, warnt uns aber auch, denn Feuer und Blut weisen gleichfalls diesen Ton auf. Unsere Augen haben sich zu wahren Rotspezialisten entwickelt, denn dafür haben wir die meisten Farbrezeptoren und wir nehmen dieses Spektrum daher am schnellsten wahr. Vor 100 000 Jahren gelang es unseren Vorfahren erstmals, diese magische Farbe in Form von Ocker zu nutzen. Seither dient Rot auch als gesellschaftliche Signalfarbe, um sich von anderen zu unterscheiden. Bestrahlt man jemanden mit rotem Licht, dann steigen der Blutdruck und die Pulsfrequenz, die Blutgefäße weiten sich und der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt.

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