Das Magazin für Schmuck und Uhren

Design

Im Zeichen der 4

Upcycling in Hochform

Scheinbar nutzlose Produkte wieder in neu- und hochwertige Dinge umzuwandeln, darum geht es beim Upcycling. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch durchaus kreativ. Auch im Schmuckbereich ist der Trend inzwischen angekommen.

Ob es um Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Religion oder Geometrie geht: Die Zahl Vier hat eine starke Symbolik. Die GZ stellt deshalb in lockerer Folge jeweils vier Gestalter vor, die eine Gemeinsamkeit haben – sei es die Ausbildung, eine Auszeichnung, ein bevorzugtes Material oder eine Designidee.

HEIKE SCHUMANN


Ihre ersten Ketten und Armbänder wickelte Heike Schumann schon als Mädchen aus Kupferdraht und verschenkte sie an ihre Freundinnen. Heute steht das alte und neue Handwerk im Fokus der Gestalterin, die Entwicklung neuer Materialien und Techniken sowie das Experimentieren und Umformen von bereits vorhandenen Dingen liegen ihr am Herzen. Das Material, aus dem ihr Schmuck besteht: Plastiktüten! Einkaufs-, Müll- und Gemüsebeutel werden in einem selbst entwickelten, aufwendigen Verfahren aufbereitet, verdichtet, miteinander verschweißt und von Hand gestanzt. Dabei nutzt die gelernte Gärtnerin und Schmuckautodidaktin bewusst die Farbigkeit der Materialien, um durch deren Kombination unterschiedliche Wirkungen zu erzielen. Bei manchen Stücken werden auch Farbpigmente eingesetzt, die aus ausrangierten Steinperlen selbst hergestellt werden. So entstehen in Handarbeit farbenfrohe, federleichte und jeweils unikate Schmuckstücke. Übrigens: Die Entwicklungszeit von der ersten Idee bis zur Marktreife betrug mehr als anderthalb Jahre.
www.chambredebonne.de

HEIKE KÄHLER


„Schon immer beschäftigte mich die Nachhaltigkeit von Materialien“, sagt Heike Kähler. Bereits während ihres Schmuckdesign-Studiums begann die gelernte Goldschmiedin, sich mit unedleren Werkstoffen wie Gips, Beton und Kunststoffen zu befassen. Durchgesetzt hat sich ihre Faszination für Glas. „Neben der Transparenz reizen mich die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, der Kontrast zum Metall und sein – trotz des geringen Materialwertes – edler Charakter“, sagt sie. Für ihre Schmuckstücke verwendet sie deshalb recyceltes Silber, anstelle von Edelsteinen nimmt sie Glasreste, die bei örtlichen Glasern anfallen. Die Verbindung der Materialien ist gleichzeitig Gestaltungselement: „Wenn ich Silber in das Glas einschmelze, findet häufig eine Reaktion mit Silberoxyden statt, die an gelben Färbungen des Glases sichtbar wird. Das fertige Glasstück zeigt noch den Abdruck der Form, in die es hineingeschmolzen wurde, man sieht eingeschlossene Luftblasen und kann nachvollziehen, wie das Glas während der Schmelze durch Oberflächenspannung gewölbt wurde“, erläutert Heike Kähler die Besonderheiten.
www.heikekaehler.homepage.t-online.de

ZAFRANA ARTEMIS


„Upcycling ist für mich nicht nur Abfallverwertung, sondern vor allem Abfallaufwertung“, sagt Zafrana Artemis. Die Deutsch-Griechin, die Metallgestaltung in Hildesheim studierte und seit 2013 als selbstständige Schmuckgestalterin in Hannover lebt und arbeitet, verwendet für ihren Upcycling-Schmuck Verschlüsse von Milchtüten. „Zack und weg, aufreißen und entsorgen – so ging es mir jahrelang, wenn ich meine Milchtüten öffnete! Bis mir klar wurde, wie schön diese Verschlüsse sind und dass sie dazu prädestiniert sind, aufgereiht zu werden“, erläutert Zafrana Artemis. Von da an hieß es bei ihr: „Zack und ab, aber nicht weg“. Das Ergebnis: Mit farbigen, gewachsten Baumwollbändern verknotet, werden die Kunststoffkapseln spielerisch zu Armreifen. Über den neu gestalteten Wohlstandsmüll hinaus verwendet Zafrana Artemis auch edle Materialien: Silber und Gold gehören ebenso in ihr Repertoire wie Marmor.
www.artemis.zafrana.com

ROOS ARNTZ-VAN DOREN


Kundenkarten, Clubkarten, Kreditkarten, Bahn- oder Krankenkassenkarten – so viel Kunststoff lässt so manche Geldbörse zum echten Schwergewicht werden. Die Farbigkeit, bunten Muster oder glitzernden Hologramme der Karten haben Roos Arntz-van Doren schon immer gereizt: „Ich fand es einfach zu schade, sie wegzuschmeißen, und begann sie zu sammeln. Ohne diese Karten kann man sich unser tägliches Leben schlecht vorstellen. Ich habe nur eine Ahnung von der Menge persönlicher Daten, die auf dem Magnetstreifen gespeichert sind, aber in der Anonymität der global agierenden Dienstleistungsbetriebe gelten diese Magnetkarten als Bestätigung der persönlichen Glaubwürdigkeit“, so die Recklinghäuser Gestalterin, die sonst mit wertvollen Edelsteinen und Edelmetallen arbeitet. Den Anfang ihrer Kartenserie „Unsere alltägliche Identität“ machte 2006 eine Kette aus verschiedenen ID-Karten, die anlässlich einer Ausstellung zur Fußball-Weltmeisterschaft entstand. Seitdem folgte eine Vielzahl farbenfroher Schmuckstücke wie Colliers oder Ohrhänger.
www.arntzvandoren.de

Fotos: Stefan Schejok (I), Heike Schumann (I), Artemis Zafrana (I), Heike Kähler (I)

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