Das Magazin für Schmuck und Uhren

Wirtschaft

„Wir kämpfen um Aufmerksamkeit“

BVJ Handelsverband Juweliere

Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer beim BVJ Handelsverband Juweliere, kommentiert exklusiv für die GZ die neuesten Geschäftszahlen der Branche.

GZ: In anderen Konsumgüterbranchen standen die Zeichen 2016 deutlich auf Wachstum, die Uhren- und Schmuckumsätze gaben im selben Zeitraum um 1,2 Prozent leicht nach. Zeigt sich darin ein schleichender Bedeutungsverlust unserer Branche?

Joachim Dünkelmann: Wir kämpfen um Aufmerksamkeit, Geld ist genug da. Bei der Kommunikations- und Werbeflut, der wir alle ausgesetzt sind, ist es eine wachsende Herausforderung, bei den Kunden überhaupt auf den Zettel zu kommen. Die Branche steht in einem ständigem Wettbewerb mit Reisen, Unterhaltungselektronik, Handtaschen et cetera. Hier sind Handel und Industrie gleichermaßen gefordert, noch stärker zu trommeln.

Gibt es tatsächlich einen Trend zum Echtschmuck, weg vom Trendartikel?

Ja, dem Handel kommt dieser Trend zum Höherwertigen durchaus entgegen. Sorgen macht uns aber die dadurch fehlende Frequenz. Bei der ein oder anderen starken Trendschmuck-Marke scheint der Innovationsfaden gerissen zu sein. Das spürt der Fachhandel, aber vor allem auch die Lieferanten mit eigenen Filialen. Es ist schon kurios, dass gerade diese Hersteller dann dem Handel die Schuld für diese Entwicklung geben. Derzeit fehlen durchschlagende neue Trends, aber die Branche entwickelt sich trotzdem stabil.

In puncto Uhrenabsatz sehen Sie als Hauptursache für die Rückgänge bei den Verkäufen die Flaute beim Tourismus aus Fernost. Trifft das vor allem die Schweizer Marken und kann das der momentan günstigere Frankenkurs wieder ändern?

Was manchen Schweizer Marken konzeptionell fehlt, kann eine Kursschwankung der Währung nicht heilen. Fakt ist: Das Touristengeschäft ist für Juweliere in den Top-Lagen der Metropolen ein wesentlicher Teil des Geschäfts. Wenn die drei As fehlen – Asiaten, Araber und Amerikaner –, dann tut das hier besonders weh. Den Stimmen aus dem Handel nach haben sich die Hersteller aus Glashütte und dem Schwarzwald insgesamt besser geschlagen als die Anbieter aus der Schweiz. Das hängt auch mit der Qualität der Marktbearbeitung und der Intensität der Handelsbetreuung zusammen. Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen der Sichtbarkeit einer Marke im Handel und dem Markterfolg.

 

Welche Chancen für den Fachhandel bieten Smartwatches?

Die Smartwatch gehört zu uns. Nicht jeder Juwelier und Fachhändler muss jedes Sortiment führen, aber mit den richtigen Partnern ist das ein vielversprechendes Segment. Das Geschäft mit Smartwatches von Apple, Samsung, LG Electronics und Co. wird mit einer Preisaggressivität und einer damit verbundenen knappen Kalkulation betrieben, die nicht in die Kalkulation eines beratungsstarken Uhrenfachhändlers passt. Neben den genannten Anbietern gibt es aber auch noch andere Smartwatch- und Wearable-Anbieter, mit denen eine „auskömmliche“ Spanne möglich ist. Information ist Pflicht, eine „Allergie“ gegen Innovationen hat jedenfalls noch keinem Händler geholfen.

Und wie wichtig sind Multichannel-Strategien?

Wir beobachten im Moment eine überdurchschnittliche Entwicklung der hybriden Handelskonzepte. Der tatsächliche Online-Umsatz ist dabei weniger von Bedeutung als die Zuführung zum stationären Geschäft. Die Verzahnung von Online-Vorteilen und Offline-Qualitäten kommt bei den Kunden von hochwertigen Luxusgütern sehr gut an. Letztlich verkaufen wir Emotionen – die funktionieren stationär besser. Aber wer online nicht auffindbar ist und in seinem digitalen Schaufenster keine Begehrlichkeiten weckt, der stellt sich selbst ins Abseits.

Text Axel Henselder

www.bv-juweliere.de

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