Das Magazin für Schmuck und Uhren

Wirtschaft

Auf dem Rücken der Juweliere

Online-Konkurrenz

Immer mehr Schmuck- und Uhrenhersteller setzen auf das Internet als Vertriebskanal. Doch der Ärger mit dem Fachhandel ist vorprogrammiert. Wohin diese Online-Konkurrenz führen kann, zeigt das Beispiel Rivoir mit der Plattform Verlobungsringe.de und dem Regensburger Partnerjuwelier Kappelmeier.

Alles begann so vielversprechend. Ein junger angehender Arzt betrat das Geschäft von Juwelier Kappelmeier in Regensburg auf der Suche nach einem Verlobungsring. Inhaberin Janine Schweizer präsentierte ihm das Angebot. Der Mann erwärmte sich für einen schönen Saphirring mit Brillanten der Firma Rivoir, gefasst in 750 Weißgold. Das Modell basiert auf dem Verlobungsring von Lady Di, mit dem 2010 Kate und William ihr Versprechen besiegelten. Das Design ist bis heute sehr beliebt. Der Kunde wollte Bedenkzeit, recherchierte im Internet und fand den vermeintlich gleichen Ring bei Verlobungsringe.de deutlich günstiger – für 1399 statt 1925 Euro. Er kehrte ins Geschäft zurück. Schnell wurde nach Rücksprache mit dem Lieferanten Rivoir aus Pforzheim klar, dass es sich im Internet um eine Nachfolgemodell – jetzt „Windsor“ genannt – mit etwas kleineren Steinen und leichterer Ringschiene handelte. Inhaber Siegfried Schweizer: „Der günstigere Ring wurde uns sogar noch zugeschickt, damit der Kunde die Ware und die Preise vergleichen konnte.“ Der Kunde entschied sich für das hochwertigere, besser verarbeitete und massivere Produkt beim Juwelier seines Vertrauens, schließlich wollte er seine Zukünftige mit etwas Wertigerem gebührend beeindrucken. So weit, so gut – es hätte ein Happy End daraus werden können. Verliebt, verlobt, verheiratet – und der Juwelier ist künftig bei allen Familienereignissen mit dabei. Doch es sollte anders kommen …

Preiskampf übers Internet

Der Kunde ging nach dem Kauf noch einmal auf die Webseite Verlobungsringe.de und fand dort besagten Ring plötzlich um ein Drittel günstiger – für 999 Euro. Er kontaktierte den Betreiber der Seite und hakte nach. Ab da gehen die Versionen der Beteiligten auseinander. Laut Siegfried Schweizer kam der Kunde ins Geschäft und verlangte, den Ring zurückgeben zu dürfen. Bei einer derartigen Ersparnis könne er sich doch nicht für die teurere Variante entscheiden. „Alexander Scholl von Verlobungsringe.de hat unserem Kunden gesagt, diese Preisdifferenz sei Betrug“, berichtet Siegfried Schweizer immer noch erbost. „Herr Scholl hatte ihm angeraten, den Ring sofort zurückzubringen, da er ihn ja dann online viel günstiger erwerben könnte! In jedem Fall ist das geschäftsschädigend, denn wir leben vom Vertrauen unserer Kunden. Und das gegenüber einem Juwelier, der seit mehr als 20 Jahren Partner der Firma Rivoir ist. Wir sind seit 170 Jahren am Platz und haben unser Geschäft immer verantwortungsbewusst geführt.“ Janine Schweizer nahm den Ring zurück und zahlte dem Kunden sein Geld aus.

Alexander Scholl weist diese Version zurück. „Vorauseilend und initiativ habe ich den irritiert wirkenden Kunden auf unsere Preisänderung hingewiesen und ihm auf Nachfrage bestätigt, dass das Modell ,Windsor‘ bei uns nie zu einem höheren Preis im Angebot gewesen sei als für 1399 Euro. Der Herr am Telefon hat mich daraufhin nach Informationen zur Rückgabe des von ihm erworbenen Rings gefragt, worauf ich ihn gebeten habe, sich direkt an das Geschäft zu wenden, bei dem er den Ring erworben hat. Dieses hat mir der Kunde zugesichert und wir haben das Gespräch beendet.“ Letztlich war jedoch diese Auskunft  auch falsch, denn Scholl habe den angefragten Artikel mit der massiveren Vorgängerversion mit größeren Steinen verwechselt.

Schweizer äußert gegenüber der GZ, dass der Kunde seine Version nach wie vor stütze. Aber die Schweizers empört daneben etwas anderes: „Die Preise wurden im September bei verlobungsringe.de um 30 Prozent reduziert, ohne ersichtlichen Grund.  Wir Partnerjuweliere, die noch im Sommer eingekauft haben, geraten gegenüber unseren Kunden so in Erklärungsnot. Gehen wir gezwungenermaßen auf die Internetpreise ein, geht die Marge nach Steuern komplett flöten. Das kann sich ein Präsenzjuwelier mit Miet- und Personalkosten nicht leisten.“ Zudem sieht er keinen Grund für die Preisreduzierungen, seien doch Gold- und Edelsteinpreise nicht derart stark gesunken; im Gegenteil. „Das verunsichert doch die Kunden, denn sie wollen bleibende Werte kaufen, die nicht über Nacht ein Drittel an Wert verlieren.“ Zudem zeige der Preisverlauf bei Einkaufs- wie auch Verkaufspreisen in den letzten Jahren beim besagten Modell „Windsor“ nur nach oben.

Alexander Scholl verweist darauf, dass verlobungsringe.de und Rivoir zwei eigenständige Firmen seien. Zudem erklärt er den Fachhändlern: „Für die Preisgestaltung berücksichtigen wir drei Faktoren: 1. Wie preist der Wettbewerb vergleichbare Produkte? 2. Welche Kalkulation braucht der Juwelier vor Ort? 3. Wie weit lassen sich Einkaufspreise senken, um auch in umkämpften Preislagen wettbewerbsgerechte Verkaufspreise anbieten zu können und trotzdem beim Hersteller die Herstellungskosten zu decken?  Durch die aktuellen Preise erhoffen wir uns für uns und unsere Partner weiter steigende Verkaufszahlen und eine deutliche, positive Entwicklung für das kommende Weihnachtsgeschäft.“

Beratungsklau wird forciert

Juwelier Siegfried Schweizer kann dieser Argumentation nichts abgewinnen: „Hier wird ein Preiskampf oder Verdrängungswettbewerb gegen andere Internet-Schmuckanbieter auf dem Rücken von uns Juwelieren ausgetragen. Es besteht so die Gefahr, dass immer mehr Kunden sich erst im Fachhandel beraten lassen und dann online beim Hersteller kaufen. Der Beratungsklau wird so forciert. Aber ohne uns Partnerjuweliere ginge das nicht, denn wo sonst könnten sich Konsumenten die Produkte live anschauen. Langfristig schadet sich der Hersteller so nur selbst. Denn pure Internetverkäufe im Schmuckbereich funktionieren im hochwertigen Bereich nicht. Wir haben nichts gegen Wettbewerb. Aber dadurch, dass Stephan Rivoir an verlobungsringe.de beteiligt ist, sehen wir den Hersteller hier in der direkten Verantwortung.“

Die Ware von Rivoir ist laut Schweizer gut, die Designs treffen den Zeitgeist und verkaufen sich bestens. Umso ärgerlicher sei die Preisschlacht übers Internet. Für die preisreduzierten Waren konnte er Gutschriften bei Rivoir durchsetzen. Was jedoch bleibt, ist ein sehr fader Beigeschmack.

Text: Axel Henselder

 

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