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Man könnte Jan Spille auch als den Marco Polo des fair gehandelten Goldes bezeichnen. Regelmäßig bereist der Hamburger Goldschmied die Länder, in denen sich die Minen und Bergbau-Kooperativen befinden, von denen er sein Gold bezieht. Zuletzt besuchte er die Mongolei.

Für den Hamburger Goldschmied Jan Spille und seine Designerin Heike Bühler ging es im August nach Asien. Fernab üblicher Routen fuhren sie in den Norden der Wüste Gobi, wo sich in rund 2000 Meter Höhe die Xamodx- Goldmine befindet, die erste Fair-Trade-Bergbau-Kooperative in Asien. Erst zu Beginn des Jahres war sie durch die „Alliance for responsible Mining“ (ARM) fairmined und ökologisch zertifiziert worden.

Für Jan Spille, dessen Unternehmen selber mit zwei Siegeln arbeitet, dem „Fairtrade“-Siegel für Gold sowie dem „Fairmined“-Siegel von ARM, gehören Reisen zu den entsprechenden Goldminen zum festen Bestandteil seines Berufslebens. „Erst wenn wir die Menschen kennenlernen und sehen, wie sie das Gold und Silber abbauen, das wir zu Schmuck verarbeiten, wird für uns die ganze Sache rund“, erläutert er sein Engagement. Die Idee der Mongolei-Reise war es, mehr über die Lebensweise der Minenarbeiter in ihren traditionellen Jurten und über das Land im Allgemeinen zu erfahren, die Arbeitsprozesse vor Ort zu verstehen und dieses Wissen am Ende mit den eigenen Kunden zu teilen. Auch die persönlichen Eindrücke von Begegnungen mit Einheimischen fließen in seine Berichte ein. „Wenn wir unseren Kunden dann von den Reisen erzählen, dann ist das so , als würden wir der Bergbau-Kooperative ein Gesicht geben“, sagt Jan Spille.

Ökologisches Gold aus Kleinbergbau

Mehrere Bergbauprojekte konnte sich Jan Spille im mongolischen Hochland ansehen. Alle gehören zu der Kategorie „Kleinbergbau“ und beschäftigen überwiegend einheimische Minenarbeiter. „Ein Problem der Mongolei ist, dass das Land reich ist an Bodenschätzen, auf die es vor allem ausländische Investoren abgesehen haben“, erzählt Jan Spille. „Dann entstehen Großminen, in denen die Rohstoffe industriell abgebaut werden. Meistens jedoch ohne heimische Arbeiter. Für uns auch ein Grund, lieber den Kleinbergbau zu unterstützen!“ Zu den Besonderheiten der Xamodx-Mine gehört, dass das Gold ausschließlich ökologisch abgebaut wird – mit der Schwerkraftmethode und gänzlich ohne den Einsatz von Quecksilber und Zyanid. Beim Abbau des Golderzes unter Tage konnte Spille hautnah dabei sein: „Zunächst werden Löcher gebohrt, in denen Sprengladungen angebracht werden. Dann wird das goldhaltige Gestein zusammengetragen, in Säcken an die Erdoberfläche transportiert und in einer eigenständigen „Processing Plant“ weiterbearbeitet“, berichtet er. Dort wird das Erz in großen Trommeln zu einem feinen Steinmehl zermahlen, gerüttelt und gleichzeitig mit Wasser ausgewaschen. Das spezifisch schwerere Gold bleibt übrig und kann separiert und anschließend zu einem Goldklumpen verschmolzen werden. „Ein wenig von dem Erz und dem Steinmehl haben wir mit nach Hause nehmen dürfen und können es nun unseren Kunden zeigen“, sagt Jan Spille.

01 Unter Tage: Die Goldader besteht aus weißem Quarz, in dem das Gold in feinen Partikeln enthalten ist 02 Nach der Sprengung wird das goldhaltige Gestein in Säcken an die Erdoberfläche transportiert 03 Ökologischer Goldabbau ohne Quecksilber und Cyanid

Mit vier Gold-Konzepten erfolgreich

Sein Konzept geht auf – nicht zuletzt, weil seine Begeisterung für das faire und saubere Gold sich auf die Kunden überträgt und weil Jan Spille seinen Weg seit Jahren extrem konsequent geht. Seitdem er erstmals während seiner „Wanderjahre“ mit den katastrophalen Folgen des Goldbergbaus für Mensch und Umwelt konfrontiert wurde, verarbeitet er so ausschließlich wie möglich recycelte Edelmetalle oder solche aus ökologischem und sozialgerechtem Bergbau.

Was als Pionierarbeit begann, ist längst ein erfolgreiches Schmuckunternehmen geworden. Heute besteht das Team aus sieben Goldschmieden und Schmuckdesignern. Die hochwertigen Kollektionen in den Kategorien Schmuck, Trauringe und Verlobungsringe werden gemeinsam entwickelt und angefertigt – 100 % handmade in Hamburg. Dabei haben seine Kunden nicht nur bei der Gestaltung ihrer individuellen Schmuckstücke ein gewisses Mitspracherecht. Jan Spille stellt sie auch vor die Wahl, aus welcher Art von Gold ihre Schmuckstücke gefertigt werden sollen. „Unsere vier Konzepte unterscheiden sich durch die ökologischen- und sozialgerechten Abbaumethoden, die Herkunftsgebiete und die Preise.“ Ob die Kunden damit nicht überfordert sind? „Auf keinen Fall“, sagt er. „Wir beraten die Kunden sehr detailliert und systematisch. Wer sich für alternatives Gold interessiert, ist am Ende des Beratungsgesprächs rundum aufgeklärt und kann sich mühelos entscheiden“. Der Erfolg gibt ihm Recht: Mittlerweile kommen seine Kunden nicht nur aus ganz Deutschland, sondern reisen auch aus weiten Teilen Europas für fairen Schmuck nach Hamburg.

Text: Christel Trimborn

www.oekofaire-trauringe.de

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