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Uhren

Die „Miss IFA“ präsentiert eine Neuheit von der Messe: den Fitness­tracker „A370“ von Polar mit Pulsmessung

Bestseller mit Mehrwert

Smartwatches

Der Markt für Wearables wird in Zukunft wachsen, was Smartwatches für den Fachhandel zunehmend wichtig macht. Damit rückt ein Termin ins Blickfeld der Branche, der für sie bislang gar keine Rolle gespielt hat: die IFA in Berlin, bei der zahlreiche neue Modelle vorgestellt wurden.

Die IFA, die Internationale Funkausstellung in Berlin, bot Anfang September einen Überblick über Consumer Electronics. Neben Elektro-Hausgeräten und Home Entertainment zählten auch Smartwatches und Connected Watches zu den ausgestellten Produkten – im Segment „Wearables & Smart Fitness“. Dieser Bereich gewinnt an Bedeutung, wie Roland M. Stehle, Pressesprecher der IFA, sagte: „Die Verkäufe von Smartwatches und Wearables steigen weiter.“ Auch der Branchenverband Bitkom hat registriert, dass die „Smartwatch als Geräte-Generation bei den Verbrauchern angekommen ist“, sagt Timm Lutter, Bitkom-Bereichsleiter Consumer Electronics & Digital Media, und führt weiter aus: „Verbraucher sehen mittlerweile einen konkreten Mehrwert in den Geräten, etwa im Bereich Sport und Fitness.“

Marktforschungszahlen bestätigen diesen Trend: Studien verschiedener Analysten besagen, dass der Verbraucher die Wearables – also die am Körper tragbaren Systeme, zu denen neben Smartwatches auch die mit dem Handy in Verbindung stehenden Connected Watches sowie Fitnesstracker zählen, zunehmend akzeptiert. Bis 2021, so sagt das US-amerikanische Marktforschungs- und Beratungsunternehmen International Data Corporation (IDC) voraus, werde der Markt für diese Produkte -weiter „auf dem Vormarsch“ sein. Bereits 2017 werde sich dies mit höheren Absatzzahlen -zeigen, so ein IDC-Manager. Daten aus dem ersten Halbjahr 2017 geben diesen Voraus-sagen recht: So stieg der Umsatz von Wearables in dieser Zeit um fast 20 Prozent, ermittelt durch den Home Electronics Markt Index Deutschland (Hemix), einem Gemeinschafts-projekt des Bundesverbands Technik des -Einzelhandels (BVT), der gfu Consumer & Home Elec-tronics GmbH sowie dem Markt-for-schungsins-titut GfK. Insgesamt seien laut -Hemix rund 1,3661 Millionen der sogenannten Core Wearables verkauft worden. Dazu zählen vor allem Smartwatches, Health- und Fitness-Tracker -sowie Connected Watches. Der Umsatz mit diesen Produkten ist laut -Hemix zwischen -Januar und Juni sogar um fast 33 Prozent gestiegen, denn auch der Durchschnittspreis hat zugelegt: Im Schnitt kostete ein Produkt 154 Euro inklusive Mehrwert-steuer. Vor einem Jahr hatte der Durchschnittspreis noch bei 138 Euro gelegen – das bedeutet ein Plus von 11,2 Prozent.

Die erfolgreichste Produktkategorie unter den Wearables sind laut Branchenverband Bitkom die Fitness-Tracker. In einer neuen Studie heißt es, dass die Smartwatch früher der verlängerte Arm des Smartphones gewesen sei, um eingehende Nachrichten zu lesen. Mittlerweile aber seien die „Fitness- und Gesundheits-anwendungen ins Zentrum gerückt.“ Daher erwartet die Studie für 2017 rund 1,55 Millionen verkaufte Geräte und lässt verlauten: „Der Umsatz mit Fitness-Trackern wird voraussichtlich 142,74 Millionen Euro betragen und damit um 19 Prozent zulegen.“

Den Weltmarkt für Wearables teilen sich viele verschiedene Hersteller. Die fünf größten beanspruchen laut IDC gemeinsam 50 Prozent; an der Spitze liegen dabei im Jahr 2017 mit jeweils rund 12 bis 14 Prozent die Firmen Xiaomi, Apple und Fitbit. Auf den Plätzen vier und fünf sieht IDC mit je knapp fünf Prozent Marktanteil die Firmen Garmin und Fossil.

Bekannte Uhrenhersteller legen nach

Die positiven Aussichten für ein Wachstum bei den Wearables sind die Motivation für zahl-reiche Unternehmen – auch unter den traditionellen Uhrenherstellern. Zu den Pionieren in diesem Bereich zählt zum Beispiel Frédérique Constant mit Connected Watches, die mittlerweile rund zehn Prozent der verkauften Uhren ausmachen. Ganz vorn mit dabei ist auch Tag Heuer – hier zeigte sich LVMH-Uhrenchef -Jean-Claude Biver als die treibende Kraft. Nachdem die „Connected Modular“ ein Bestseller von Tag Heuer geworden ist, plant Biver laut Schweizer Handelszeitung bereits den nächsten Smartwatch-Coup: Er wolle – wie -gerüchteweise auch Apple – in den nächsten Monaten eine Telefon-Uhr lancieren.

Bei der IFA war die Fossil Group allerdings der einzige bekannte Name aus dem traditionellen Uhrengeschäft – neben Herstellern wie Pulsar und Samsung, die auch mit dem Uhrenfachhandel zusammenarbeiten. Bei der Fossil Group belegt der Auftritt bei der IFA den starken Fokus auf Wearables. Mittlerweile bieten alle Lizenzmarken des Hauses Smartwatches oder Connected Watches – wie beispielsweise -Diesel, Emporio Armani und Michael Kors. Bei der Kernmarke Fossil wurde gar bereits die dritte Generation der smarten Zeitmesser vorgestellt. Nach eigenen Angaben verdoppelte die Fossil Group den Verkauf der Wearables in den vergangenen zwölf Monaten; bis Ende 2017 wird die Fossil Group mehr als 300 Connected Watches in 14 verschiedenen Marken lanciert haben. „Das Segment der Wearables ist unser am schnellsten wachsender Geschäfts-bereich“, so Greg McKelvey, Chief Strategy and Digital Officer der Fossil Group: „Die Nach-frage der Kunden ist groß und wächst weiter.“

Interesse bei Juwelieren nimmt zu

Dementsprechend verändert sich die Haltung von Juwelieren. „Das Interesse an Smartwatches gewinnt bei Juwelieren deutlich an Fahrt. Und im Vergleich zu anderen Handelskanälen, die wir bedienen, ist der Uhrenfachhandel prozentual gesehen derzeit der am stärksten wachsende Bereich“, erklärt Patrick Schaab, Vice President Advancind Distribution vom deutschen Vertriebsunternehmen Komsa. „Allerdings sehen Juweliere das größte Hemmnis noch in den geringeren Margen im Vergleich zu klassischen Uhren.“ Ein Nachteil, der laut Schaab durch Komsas 24-Stunden-Lieferservice ausgeglichen werde, da man so Lagerkosten minimieren könne.

Text: Iris Wimmer-Olbort

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