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Schmuck

Vanitas mundi

Giovanni Raspini

Eine Mailänder Ausstellung zeigt eine Reihe von Werken, die Giovanni Raspini dem Leben und dem Tod widmet. Themen, in die der Künstler die gleiche Neugier und Stilsicherheit einfließen lässt wie in die Kreation seiner Schmuckstücke.

Damien Hirsts diamantbesetzter Platin-Totenkopf „For the Love of God“ ist eines der berühmtesten modernen Kunstwerke der Welt. Er wurde vom Abguss eines echten Schädels aus dem 18. Jahrhundert gefertigt, von dem der britische Künstler als makabre Beigabe für sein Design die Zähne verwendete. Das kontroverse Objekt sorgte für Aufsehen und Kopfschütteln: Ist dies echte Kunst – fragten manche Stimmen – oder eher der „Coup de Théâtre“ eines Imagezauberers? Tatsächlich will der kostbare Totenkopf durch Kunst und Zurschaustellung die Furcht vor dem Tod nehmen und zugleich als Mahnung an die luxusorientierte Gesellschaft von heute dienen. Ein Ansatz, der der biblisch angehauchten Vanitas-mundi-Vorstellung ähnelt, die sich wie ein roter Faden vom „Memento mori“ bis zum Totentanz durch die Tradition des Mittelalters zieht und immer wieder auch als Basis für die Arbeit vieler Künstler fungierte. Die Galerie der „Vanitas“-Verehrer, sozusagen, reicht von van Eyck, Holbein, Caravaggio, Dürer, Tizian oder Böcklin bis zu Picasso, Klee oder Marina Abramović, die in einer Performance aus dem Jahr 1995 nackt ein Skelett umarmte.

Reichtum und Elend,ewig und Vergänglich

Auch der italienische Designer Giovanni Raspini ist von diesem Thema seit Jahren fasziniert und erinnert sich in diesem Zusammenhang an seine Zeit 1984 in London.  „Ob bei Christie’s, Sotheby’s, Bonhams oder Phillips – am meisten sprachen mich die flämischen Vanitas-Gemälde an: Ich war beeindruckt von der kunstvollen Gegenüberstellung von Leben und Tod, Reichtum und Elend, Ewigkeit und Vergänglichkeit.“ Nun hat der Designer selbst entsprechende Kreationen geschaffen und dabei das ganze Know-how in Sachen Entwurf, Modellierung und kunsthandwerklicher Fertigung eingebracht, das seine Silberschmuckmanufaktur seit jeher kennzeichnet. Auf diese Weise sind mehr als 70 Schmuckstücke, Einrichtungsgegenstände, Zierobjekte, Zeichnungen sowie Gemälde entstanden, die nun vom 16. bis 19. November in Mailand im Palazzo Visconti zu sehen sind. In Ergänzung zur Ausstellung wird ein Katalog mit einem Vorwort des angesehenen italienischen Kunsthistorikers Philippe Daverio veröffentlicht.

Text: Roberto Chilleri

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