Das Magazin für Schmuck und Uhren

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Foto: Lara Belova/iStockphoto

Alles neu macht der Herbst

Jetzt ist die Zeit, um die Weichen richtig zu stellen.

Die letzten beiden Monate des Jahres sind immer noch die wichtigsten für Umsatz und Ertrag. Fast ein Drittel der Gesamtverkäufe in der Schmuck- und Uhrenbranche entfallen auf das Weihnachtsgeschäft. Damit dieses ein Erfolg wird, sollte man genaudie Ware zeigen, die Kunden suchen. Dafür gilt es, die Trends in Mode und Design einzufangen. Eine Orientierung bieten die Herbstmessen.


Tendence reißt das Ruder rum

Nach Jahren des Aderlasses will die Tendence den Turnaround schaffen. Das Rezept dafür: Synergien heben, Prozesse straffen, Kompetenzen fokussieren – und den Messetermin vorverlegen. Einen Vorgeschmack gibt es vom 27. bis 30. August.

Die Frankfurter Herbstmesse, die erstmals im Jahr 1240 stattfand und heute Tendence heißt, hat seit der Jahrtausendwende eine gewaltige Schrumpfkur hinter sich. Sie büßte in den vergangenen 15 Jahren drei Viertel an Ausstellern und Besuchern ein. Nun bündelt die Messe Frankfurt die Tendence und die Hamburger Nordstil in einen Bereich unter Leitung von Philipp Ferger. Bettina Bär verantwortet als Leiterin künftig die Tendence. In einer Pressemitteilung des Veranstalters heißt es: „Die Konsumgüterindustrie ist seit Jahren trotz steigender Umsatzzahlen von Konsolidierungen, Fusionen und Geschäftsaufgaben betroffen. Dieser gravierende Strukturwandel – national wie international – wird sich Studien zufolge weiter fortsetzen. Auch ein führendes Messeformat wie die Tendence kann sich diesen Entwicklungen, die sich in rückläufigen Aussteller- und Besucherzahlen manifestieren, nicht entziehen.“

Junge Nachwuchs-Designer wie Stefania Bandinu aus Italien mit ihrem aufregenden Stoffschmuck geben im  „Talents“-Areal Inspirationen

Messetermin wird vorverlegt

Gespräche mit Verbänden und Entscheidern auf Kundenseite hätten belegt, dass die Tendence eine Anpassung ihrer internen Organisationsstruktur benötigt. Dazu sagt Detlef Braun, Geschäftsführer Messe Frankfurt: „Mit dem Schritt, die Tendence von der Ambiente stärker zu entkoppeln, haben wir unseren Messeformaten eine auf die Zukunft ausgerichtete schlanke und effiziente Organisationsstruktur gegeben.“ Fakt ist, dass die Tendence im Vorjahr mit 1100 Ausstellern und rund 27 466 Besuchern gegenüber 2014 nochmals deutlich Federn lassen musste (Aussteller 2014: 1212; Besucher: 34480). Die Notbremse war dringend notwendig. Zudem macht das Herbst­event für die Konsumgüterindustrie mit einer weiteren Meldung auf sich aufmerksam: Die Tendence kommt ab nächstem Jahr mit einem neuen, früheren Termin, und zwar vom 24. bis 27. Juni 2017. Ziel sei es, die Tendence zum erklärten Neuheitentermin für den deutschen und europäischen Handel zu küren und so für Aussteller und Besucher aus dem In- und Ausland wieder attraktiver zu werden.

„Mit neuer konzeptioneller und personeller Ausstattung sowie vorgezogenem Termin bieten wir der Branche die Chance, die Tendence für Aussteller und Besucher wieder zu einem echten Muss zu machen. Die Messe ist eine der großen Herausforderungen in der deutschen und europäischen Messelandschaft. Wir sind jetzt aber gut aufgestellt, um in einer Konsumgüterbranche, die seit Jahren einem gravierenden Strukturwandel – national wie international – unterzogen ist, wieder zu re­üssieren“, sagt Stephan Kurzawski, Geschäftslei­tung Messe Frankfurt. Erinnert sei allerdings daran, dass bereits von 2008 bis 2009 versucht wurde, die Messe vor die Sommer­ferien zu verlegen. Die Folge war ein kräftiger Einbruch bei Ausstellern und Besuchern. Reumütig kehrte man 2010 wieder auf den angestammten Termin zurück. Nun bleibt abzuwarten, wie sich der neue Termin und das damit einhergehende überarbeitete Konzept diesmal auswirken.

Schmuckideen aus dem „Talents“- Förderprogramm: Kette von Steffi Götze aus Kupfer und Silber mit Emaille (o. l.), Collier „Janas“ von Stefania Bandinu aus Stoff (o.r.)

Schmuckideen aus dem „Talents“- Förderprogramm: Kette von Steffi Götze aus Kupfer und Silber mit Emaille (o. l.), Collier „Janas“ von Stefania Bandinu aus Stoff (o.r.)

Format für Design- und Trendorientierte

Kunsthandwerk und Design, Schmuck und Uhren kommen hier neben Geschenkartikeln und Wohnaccessoires aus der Massenproduktion nicht zu kurz. In diesem Jahr wurden zum Beispiel 34 Kunsthandwerker und Schmuckdesigner aus zwölf Ländern für das Förderprogramm „Talents“ ausgewählt. In zwei Arealen der Messe stellen die Teilnehmer ihre Unikate und Kleinserien vor: Die „Modern Crafts Talents“ präsentieren ihre Arbeiten im Bereich „Pure & Elegant“ in Halle 9.0. Die Schmuck­designer zeigen sich und ihre Werke bei „Accessories & Jewellery“ in Halle 9.2.

„Es sind herausragende, ästhetisch anspruchsvolle Arbeiten jenseits des Mainstreams, die wir dieses Jahr bei unserem Förderprogramm ‚Talents‘ präsentieren können. Für Einkäufer und Hersteller bieten die Areale wichtige Impulse, die Teilnehmer hingegen haben die Chance, sich einem internationalen Publikum zu präsentieren und weltweite Kontakte zu knüpfen“, sagt Philipp Ferger, Group Show Director Tendence.

Einen Besuch wert sind auch die Präsentationen dänischer Designer und Kunsthandwerker, die ihre Arbeiten in unmittelbarer Nähe der beiden „Talents“-Areale zeigen. Weitere sehenswerte Areale mit originellen, krea­tiven Produkten von kleinen Labels, die erst seit wenigen Jahren am Markt sind, gibt es unter dem Titel „Next“, unter anderem im Bereich „Accessories & Jewellery“. Neben zahlreichen Schmuckanbietern zeigt auch in diesem Jahr das Time Square Areal in Halle 9.2 trengige, designorientierte Uhrenmarken.

Eins ist sicher: Die Tendence ist für alle, die einen Blick über den Tellerrand der eigenen Branche werfen wollen, mehr als empfehlenswert. Denn hier findet man die globalen Trends bei Konsumgüterprodukten und Inspirationen für die perfekte Inszenierung am POS.

Text: Axel Henselder

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