Das Magazin für Schmuck und Uhren

Design

Fotos: Winfried Reinhardt

Vera Stassen entwickelt eine Kollektion mit Steinkohle. „Durch die Silizierung gewinnt die Kohle an Beständigkeit und ästhetischen Reizen“, sagt die Schmuckdesignerin. Als „Designer in Residence“ können sich Elke Fiebig und Carolina Rebelo Schneider in den Werkstätten des Emma drei Monate lang intensiv mit ihren Projekten beschäftigen

Vom Gehstock bis zur Steinkohle-Kollektion

Pforzheimer Kreativzentrum

Erstmals sind im Emma, dem Pforzheimer Kreativzentrum, drei „Designer in Residence“ zu Gast. Ihr dreimonatiger Aufenthalt soll dazu beitragen, Pforzheim als Designstandort zu stärken.


Vera Stassen, Elke Fiebig und Carolina Rebelo Schneider heißen die drei Gestalterinnen, die sich bei dem Auswahlverfahren im Herbst des -vergangenen Jahres gegen 55 internationale Mitbewerber durchgesetzt und einen der drei begehrten Plätze des neu entwickelten Stipendiatenprogramms „Designer in Residence“ ergattert haben. Nun gastieren die drei Frauen für drei Monate in der Goldstadt.

Bestens betreut

„Aus den Bereichen Schmuck-, Mode und Produktdesign wird jeweils ein Stipendiat ins Emma eingeladen“, erläutert Dorothee Sommer, Projektmanagerin beim Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP), die Vorgehensweise. „Während ihres Aufenthaltes stehen ihnen eine kostenlose Unterkunft sowie voll ausgestattete Arbeitsplätze in den Werkstätten für Schmuck-, Mode- und Industriedesign im Kreativzentrum zur Verfügung.“ Auch für die fachliche Betreuung ist gesorgt: Für Fragen zu handwerklichen Techniken oder zum Umgang mit den Maschinen in den Emma-Werkstätten können sich die drei Gestalterinnen jederzeit an den Werkstattleiter wenden. Bei Bedarf kann zudem auf die Werkstätten der Hochschule Pforzheim zurückgegriffen werden.

Kein Wunder, dass alle drei „Designerinnen in Residence“ von diesen Arbeitsbedingungen begeistert sind: Von „professionellen Coworking Arbeitsplätzen“ über „entspannte Arbeitsatmosphäre“ bis zu „viel Platz“ reicht ihre positive Bewertung. Zum perfekten Glück würde sich Modedesignerin Elke Fiebig nur noch eine Textilwerkstatt wünschen: „Wenn ich große Stoffbahnen bemale oder bedrucke, werde ich wohl etwas improvisieren müssen“, sagt sie, betont jedoch, dass sie mit den selbst gesteckten Projektzielen gut in der Zeit liegt.

Bestens verarbeitet

Während sich Carolina Rebelo Schneider (Produktdesign) mit der Entwicklung eines Gehstocks mit Sitz für alte Leute beschäftigt und Modedesignerin Elke Fiebig an einer kleinen „Capsule Wardrobe“ mit ethisch erzeugten Materialien arbeitet, liegt der Schwerpunkt von Goldschmiedin Vera Stassen während -ihres Aufenthaltes in Pforzheim auf der Ver-arbeitung silizierter Steinkohle zu Schmuck. Eine umfassende Materialstudie, die die gebürtige Essenerin im Vorfeld durchführte, liegt ihrer Arbeit zugrunde. „Kohle hat für mich als Ruhrpott-Kind natürlich eine emotionale Bedeutung. Es ist aber auch als Material spannend“, sagt sie und erläutert: „Die Silizierung verleiht der Steinkohle ein festes Gefüge. Durch den Bearbeitungsprozess wird die natürliche Struktur sichtbar und veredelt. Das vorher brüchige und schwärzende Gestein erhält die Eigenschaften eines Edelsteins und wird somit tragbar.“

Einig sind sich die Stipendiatinnen darin, dass das Arbeiten in einer -anderen, neuen Umgebung trotz der guten Ausstattung auch He-rausforderungen mit sich bringt. „Das Einleben in das neue Umfeld und das Einarbeiten mit fremden Werkzeugen braucht einfach seine Zeit“, sagen sie. Außerdem müssten Entscheidungen oftmals schon recht früh im Prozess getroffen werden, um mit der kurzen Projektzeit hinzukommen. Als echten Vorteil empfindet speziell Schmuck-gestalterin Vera Stassen den Standort: „In Pforzheim finde ich zu jedem Thema qualifizierte Ansprechpartner: Die Schmuckbranche ist hier groß. Es gibt zahlreiche spezialisierte -Be-triebe. Aber auch die Hochschule bietet ein weites Spektrum an Möglichkeiten.“

Bestens vorbereitet

Zum Abschluss des ersten dreimonatigen „Designer in Residence“-Programms werden die Ergebnisse des Arbeitsstipendiums in einer Ausstellung präsentiert – zunächst im Kreativzentrum Pforzheim (30. Juni bis 10. Juli) und danach in Kooperation mit dem Design Center Baden-Württemberg im Haus der Wirtschaft in Stuttgart (14. September bis 27. Oktober).

Für alle Designer, die auch mal drei Mo-nate in Pforzheim leben und arbeiten wollen, kommt die gute Nachricht zum Schluss: „Das Programm ist langfristig angelegt“, sagt WSP-Projektmanagerin Dorothee Sommer. „Von September bis Mitte November 2016 erfolgt die Ausschreibung für den zweiten Jahrgang. Die Bewerbungsunterlagen werden ab September auf der Emma-Website zum Download bereitstehen.“ Die Entscheidung über die Ver-gabe der Stipendien trifft wie im Vorjahr eine Jury, sodass die nächsten „Designer in Residence“ von April bis Juni 2017 in Pforzheim zu Gast sein werden.

Stipendiatenprogramm „Designer in Residence“

  • Entwickler: der Fachbereich Kreativwirtschaft des Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)
  • Auslobung: 2015
  • Premiere: April bis Juni 2016 mit den drei Designerinnen Vera Stassen (Schmuck), Elke Fiebig (Mode), Carolina Rebelo Schneider (Produkt)
  • Standort: Emma – Kreativzentrum Pforzheim
  • Ziel: Stärkung des Designstandorts Pforzheim
  • Adressat: nationale und internationale Nachwuchsdesigner aus den Bereichen Schmuck-, Mode und Produktdesign
  • Kooperationspartner: Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim und Design Center Baden-Württemberg
  • Finanziert durch städtische Mittel und Sponsorengelder (Sparkasse Pforzheim Calw, C. Hafner, Agosi und Rotary Club Pforzheim-Schloßberg)
  • Nächste Schritte: Ausschreibung für den zweiten Jahrgang: September bis November 2016 Aufenthalt „Designer in Residence 2017“: April bis Juni 2017

 

 Text: Christel Trimborn

Zurück

Fair trade statt Fast Fashion

Nachhaltigkeit

Sie sind Paradebeispiele einer neuen Generation: sozial engagiert, umweltbewusst und modeaffin. Drei junge Frauen haben das Ziel, mit Schmuck die Welt ein bisschen schönerund besserzu machen.

Mehr >>

Kreativität trifft Schmuck

Art & Design

Fünf Frauen, alle in kreativen Berufen tätig, hatte die GZ zum Fotoshooting mit Designerschmuck eingeladen. Ihre Aufgabe: Lieblingsschmuck auswählen und die persönliche Schmuckwahl begründen. Das Ergebnis sorgte nicht nur für viele individuelle Überraschungen, sondern auch für ganz neue stilistische Erkenntnisse.

Mehr >>

Fokus Bernstein

Design News

„Periphery“ lautet das Thema des diesjährigen Amberif Design Award (ADA), den die polnische Messe Amberif bereits zum 20. Mal international ausschreibt.

Mehr >>

„Die Ästhetik der Natur unterstreichen“

Annsus

Annsus stellt dieses Jahr zum zweiten Mal auf der Inhorgenta aus. In Halle C2 präsentiert Inhaberin Annesuse Raquet Schmuckstücke und Objekte. Deren „Hauptdarsteller“ sind Naturprodukte, die vor Millionen von Jahren entstanden.

Mehr >>

Vom Gehstock bis zur Steinkohle-Kollektion

Pforzheimer Kreativzentrum

Erstmals sind im Emma, dem Pforzheimer Kreativzentrum, drei „Designer in Residence“ zu Gast. Ihr dreimonatiger Aufenthalt soll dazu beitragen, Pforzheim als Designstandort zu stärken.

Mehr >>

Mode, Handwerk, Technologie

Oroarezzo

Der neue italienische Messekalender belohnt die Oroarezzo mit einem Rekord: 650 Aussteller nahmen an dem Event Anfang Mai teil.

Mehr >>