Da ist zum Beispiel die in Luxemburg geborene Anne-Marie Herckes. Nach ihrem umfangreichen Modedesign-Studium an der Artesis Hogeschool Antwerpen und der Universität für angewandte Kunst in Wien gründete sie unter ihrem Namen 2006 ihr eigenes Accessoire-Label. Hier begann sie sich damit zu beschäftigen, inwieweit Kleidung auch unabhängig vom Körper eine modische Rolle spielen könnte. Nach und nach entstanden ihre Miniaturskulpturen, bei denen sie bisweilen ein komplettes modisches Outfit an eine als Brosche zu tragende, schmückende Nadel hängt.
Von der Handtasche über Kostüm und Hut bis zum Highheel entstehen so ebenso winzige wie witzige Modeaussagen, die oftmals einer einzelnen, bekannten Persönlichkeit zuzuordnen sind. Ein blauweiss gestreiftes T-Shirt in Kombination mit Röhrenjeans, Lederjacke und grünen Doc Martens ist beispielsweise eine unverkennbare Hommage an den französischen Modedesigner Jean Paul Gaultier, der sich bei öffentlichen Anlässen in genau eben diesem beinahe immer gleichen Outfit zeigt.
Auch die für Karl Lagerfeld und Coco Chanel typische Garderobe ist so bereits verewigt worden. Und während Broschen und Schlüsselringe mit gezackten Miniaturpullovern auf eine Kooperation mit dem italienischen Modelabel Missoni zurückzuführen sind, bietet Anne-Marie Herckes auch für diejenigen Schmuck- und Modeliebhaber etwas, die keinem grossen Meister huldigen möchten: Ein auf die Broschennadel aufgefädelter karierter Mantel in Kombination mit rotem Lackstiefel und Regenmantel ist als augenzwinkernder Hinweis auf einen typisch deutschen Sommer zu verstehen.
Grenzen sind zum Überschreiten da
Auch die beiden Düsseldorfer Diplomdesigner Claudia Schmedding und Andreas Lehmann pflegen in ihrem Studio für Produkt- und Schmuckdesign einen unbefangenen Umgang mit den Disziplinen. „Indem etablierte Ansichten und bekannte Strukturen infrage gestellt oder verworfen werden, kann ein breites Spektrum von Gestaltungsansätzen entstehen“, heisst es in ihrer Unternehmensphilosophie. So demonstriert ihr Accessoire „Chain“ den wechselseitigen Übergang von Kette und Schal.
Auf heitere Weise verknüpft „Chain“, eine Neuinterpretation der Panzerkette, Kleidung und Schmuck, wodurch etwas gänzlich Neues entsteht. Die übergrossen, aus Seide, Futterstoff und Vlieseline gearbeiteten Kettenglieder zeigen das zweidimensionale Abbild des Dreidimensionalen. Während der Frankfurter Tendence sind die Arbeiten von Lehmann & Schmedding im Forum „Talents“ zu sehen. Ebenfalls in Frankfurt präsentieren die niederländischen Zwillingsschwestern Marike und Tineke Willems ihre grenzüberschreitenden und fantasievollen Arbeiten. Unter dem Design-label Tweelink entwerfen sie Kronleuchter und Sitzmöbel ebenso wie schmucke Kopfhörer, bei denen das Kabel unter farbigen Kunststoff- oder Holzperlen verschwindet, sodass aus einem ehemals simplen elektronischen Zubehör eine modische Kette wird.
Das vollkommene Verschmelzen von Mode und Schmuck hat die Berliner Designerin Denise Julia Reytan mit ihrer Serie „Eintr8“ erreicht. Entstanden als Beitrag zu dem niederländischen Wettbewerb „New Traditional Jewellery“, Thema „Tracht & Folklore“, ist ihre Arbeit eine farbenprächtige Gesamtinszenierung von Schmuck und Mode. „Die Tracht definiere ich als ein eigenes Medium, mit dem man seiner Persönlichkeit durch Kleidung, Accessoires und Schmuck Ausdruck verleihen kann. Sie ist ein einheitliches, harmonisches Schmuckensemble, eine individuelle Inszenierung am Körper, ohne inhaltliche oder gestalterische Grenzen“, erklärt Reytan. Auch der Name der Kollektion resultiert aus dieser Definition: „Die Tracht ist ein Schmuckgebilde mit einer gemeinsamen Verbindung durch den Körper, eine Tracht der Einheit, eine ‚Eintr8‘.“
2. Schmuck und Mode als Gesamtinszenierung: Kollektion „EINTR8“ von Julia Denise Reytan
3. Schalkette/Kettenschal „Chain“ von Lehmann & Schmedding (links)
4. Schmuck mit Funktion: Ketten-Kopfhörer des niederländischen Designlabels Tweelink
von Christel Trimborn



















