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Werft 11
Galerie am grossen Fluss
Mit Ausstellungen verschiedenster künstlerischer Disziplinen zeigt die Galerie Werft 11 so viel Dynamik wie der Rhein, an dessen Ufer sie liegt. Zwischen Severins- und Südbrücke liegt der Kölner Rheinauhafen: Mitten im Herzen der Domstadt und unmittelbar am Rhein ist hier im Laufe der vergangenen Jahre auf etwa 15 Hektar Gesamtfläche eine spannende Mischung aus innerstädtischem Wohnen und Arbeiten, aus Kultur und Freizeit entstanden.
Alte, liebevoll restaurierte Lagerhallen und Speicher, die mit moderner Architektur ergänzt wurden, ziehen Bürger und Besucher gleichermassen in ihren Bann. So lockt an der Spitze der in den Rhein ragenden Landzunge das Schokoladenmuseum Tag für Tag hunderte internationale Gäste an, aus denkmalgeschützten Getreidespeichern wurden funktionale Bürohäuser mit integrierter Gastronomie, und luftige, neue Wohngebäude wurden zwischen historische Speicherhäuser platziert. Mittendrin liegt die Galerie Werft 11, die die Inhaberin Sigrid Schmalen 2006 „aus Liebe zu den schönen Dingen“ eröffnete. Hier knüpft die Galeristin an die spezifische Atmosphäre und die traditionelle Bestimmung des alten Hafens an: Sie versteht den Ort gleichermassen als Handelsplatz für Waren und als Treffpunkt der Kulturen. Die Entstehung des Rheinauhafens als ein neues, spannendes Geschäftsumfeld war für sie auch einer der Hauptgründe, die disziplinübergreifende Galerie Werft 11 überhaupt in Köln zu eröffnen. Ursprünglich hatte sie nämlich geplant, sich mit einer reinen Schmuckgalerie in Italien selbstständig zu machen – ein Plan, der leider an kulturellen Geschmacksunterschieden scheiterte. Mit so modernen Schmuckkollektionen wie denen von Carl Dau, André Ribeiro oder Günter Wermekes, auf die sich Sigrid Schmalen für ihre italienische Vertretung konzentriert hatte, konnten die meist an glamourösen Schmuck gewöhnten italienischen Besucher sich nicht recht anfreunden.
Fliessende Übergänge und aktuelle Strömungen
Nun also Köln: Der unverstellte Blick aus den riesigen Schaufenstern der Galerie auf den Rhein und der Kontakt zu den Menschen, die das aussergewöhnliche Rheinauhafengebiet ganz gezielt besuchen, sind Sigrid Schmalen ungeheuer wichtig. Ebenso wie eine enge Ko-operation mit den Künstlern, die sie vertritt. Dass deren Objekte aus verschiedenen künstlerischen Bereichen wie beispielsweise der Fotografie, der textilen Kunst der Schmuckkunst oder dem Bereich Keramik/Porzellan, kommen, gehört zu ihrem Konzept. Modernen Schmuck – auch und gerade von jungen Schmuckmachern – in den künstlerisch-handwerklichen Kontext mit anderen Kunstdisziplinen zu stellen, ist ihr dabei besonders wichtig. „Die fliessenden Übergänge zwischen den verschiedenen Kunstgattungen finde ich besonders spannend“, so Sigrid Schmalen.
Rostobjekt des Schmuckgestalters und Künstlers Günter Wermekes
In der gemeinschaftlichen Präsenation von Objekten verschiedener Bereiche sieht sie auch eine Chance für den Schmuckbereich, einen anderen, differenzierteren als den bisherigen Stellenwert in der Gesellschaft einzunehmen. Ihre Auswahl von Themen, Ideen und Personen trifft sie dabei ganz bewusst subjektiv. Die Essener Tanztheater-Fotografin Ursula Kaufmann vertritt sie beispielsweise ebenso wie den belgischen Porzellankünstler Piet Stockmans, die Malerin und Textilkünstlerin Susanne Taras oder den Kommunikationsdesigner Peter Pasalk. Aus dem Schmuckbereich sind Kennern der Szene beispielsweise die Düsseldorferin Claudia Hoppe, Pia Pasalk oder Anke Henning bekannt.
Armreifen der Düsseldorfer Schmuckgestalterin Claudia Hoppe
„Mir macht es unheimlich viel Spass, mit jungen Leuten zu-sammenzuarbeiten“, sagt die Galeristin. „Deren Ideen sind oftmals so frisch und unverbraucht, dass es die reine Freude ist, sie in der Galerie zu haben.“ Andererseits stellt die Geschäftsfrau auch fest, dass man mit jungen, unbekannten Gestaltern alleine nicht existieren kann. „Man braucht auch Arbeiten von renommierten Künstlern, um Besucher nachhaltig für sich zu interessieren“, hat Sigrid Schmalen in ihrer dreijährigen Tätigkeit als Galeristin festgestellt.
Lokale Anerkennung und internationaler Ruhm
Am liebsten ist es der Galeristin, wenn die Besucher ganz zwanglos hereinkommen, sich entspannt umschauen und einfach wohlfühlen. Nach dem Motto „weniger ist mehr“ zeigt sie in den Schaufenstern stets nur ganz wenige Ausstellungsstücke, die die Menschen neugierig machen und zum Eintreten und Nachfragen inspirieren sollen. Ihr Konzept gibt ihr recht – über mangelnde Anerkennung kann sie sich nicht beklagen. 2007 wurde der Galerie bereits der „red dot design award“ (communication design) verliehen, 2009 war sie nominiert für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland.
Moderne Materialästhetik und Neugier auf das Experimentelle prägen die textilen Schmuckstücke von Anke Hennig
Moderne Materialästhetik und Neugier auf das Experimentelle prägen die textilen Schmuckstücke von Anke Hennig
Ausserdem hat Sigrid Schmalen bereits viele Male die Rückmeldung bekommen, dass ihre Besucher die besondere Atmosphäre und den Austausch wirklich geniessen. Aber nicht nur in der Domstadt, sondern längst auch überregional ist ihre Kunstgalerie als einer der ge-fragtesten Hot Spots von Köln bekannt: Von der Redaktion der „New York Times“ wurde ihre Galerie im Januar dieses Jahres zu den „44 Places to go in 2009“ ausgewählt – eine Auszeichnung, die auch so renommierten Adressen wie dem Burchfield Penney Art Center in Buffalo, USA, oder dem neu erbauten Centre Pompidou im französischen Metz zuteil wurde.
von Christel Trimborn
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